stealing eyeballs – designing media

stealing eyeballs 08

Reala, Der Standard, 12./13.05.2001, S. 43 
 

Reala (Stockholm)

Reala sind die beiden Mittzwanziger Samuel Nyholm und Jonas Williamson, die ihr gemeinsames Designunternehmen 1998 während ihrer Studienzeit an der Stockholmer Hochschule für Kunst und Design Konstfack gegründet haben. Der Name geht auf das Kunst- und Literaturmagazin The Real Art (& Poetry) zurück, das sie seit 1995 herausgeben. Schon der Titel signalisiert, dass Kunst und Literatur integrative Aspekte ihrer Designarbeit sind. Sie agieren in allen Bereichen des Mediendesigns, haben sich aber auf Illustrationen und Animationen spezialisiert, die sie sowohl in kommerziellen als auch in freien Projekten einsetzen.

Reala kreieren eigenwillige Zeichenfamilien bestehend aus gezeichneten Figuren, eigens entwickelten Fonts, grotesken Icons und skurrilen Piktogrammen, die oft in familiären Mutationen mit verschiedenen Größen, Altersstufen, Geschlechtern und Physiognomien existieren. Diese Tribes von Zeichen bevölkern in unterschiedlichen Konstellationen sowohl die Printarbeiten als auch die Animationen des Teams. Tendenziell erfinden Reala für jede Aufgabe ein eigenes graphisches System, ein spezielles Vokabular aus Bildern und Charakteren, innerhalb dessen sie sich gestalterisch bewegen. Das Cartooneske, mitunter perfid Infantile ist ein Kennzeichen dieser visuellen Welten, die sich bewusst von der Klarheit und Stringenz der skandinavischen Designtradition absetzen und auch sonst wenige Referenzen an Vorbilder erkennen lassen.

Realas Illustrationen verweigern die genreübliche Übersetzungsleistung von Text zu Bild; vielmehr operieren sie mit den semantischen Konnotaten der Worte, an die sie sich sowohl assoziativ wie auch analytisch annähern. Nicht Textinterpretation sondern die Erweiterung des Kontextes steht im Mittelpunkt dieses Prozesses. Bei der Produktion ihrer Designs spielt der Computer eine sekundäre Rolle. Ihr Ausgangsmaterial sind Handzeichnungen und Kritzeleien, die digital nachgezeichnet werden.

Selbstverständlich ist diese jüngste Designergeneration in einem internationalen Netzwerk organisiert, dem auch die Londoner Designformation Dreck mit Laurent Benner und Radovan Scasascia angehört. Ihre Mitglieder sind ferner in zwei elektronischen Bands aktiv, deren Covers sie selbst gestalten.

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