stealing eyeballs – designing media

stealing eyeballs 07

Spin, Der Standard, 11.05.2001, S. 14 
 

Spin (London)

Die Londoner Designgruppe Spin existiert seit 1992 und erobert unermüdlich neue Designterrains. Das Team aus 25 Mitarbeitern unterschiedlichster Backgrounds ist in nahezu jedem Bereich aktiv ohne sich dabei zu verzetteln: durchgängig artikulieren Spin eine reflexive, bisweilen subversive Haltung, die u.a. darin besteht, Erwartungen der Auftraggeber intelligent zu enttäuschen und durch radikalere Lösungen zu ersetzten. Selbst in besonders klischeedominierten Metiers wie der Welt des Sports leisten sich Spin Abweichungen vom millionenschweren Mainstream: ihre Arbeit für Nike verfolgt nicht etwa die Mythisierung einzelner Helden des Sports, sondern zielt auf den Stellenwert, den Fußball in der englischen Alltagskultur besitzt. Anstelle von Stadien und Stars zeigt die Kampagne Park Football für England typische Spielplätze und Protagonisten und fordert weniger zur Bewunderung als vielmehr zur eigenen Aktivität auf.

Spin besitzen ein ausgeprägtes soziales Bewusstsein, das sie mit zeitgenössischen Mitteln und raffinierten Manövern artikulieren, wie beispielsweise durch die Mischung aus Schock und Humor, mit der sie im Auftrag der britischen Gesundheitsbehörde vor Drogenmissbrauch warnen. Ihre klare, kühle visuelle Sprache wird auch dort nicht modisch, wo sie für Klienten aus dem Modebereich wie Levis oder Diesel zum Einsatz kommt und nie prätentiös, wenn es um Hochkulturkunden wie Christies oder die English Heritage Foundation geht. Obwohl Printdesign nach wie vor einen hohen Anteil ihres Outputs ausmacht, konnten Spin mit mehreren Arbeiten die Möglichkeiten des Mediums CD-ROM exemplarisch vorführen.

Die CD-ROM Spin für den Graphikdesign Spezialverlag Booth-Clibborn ist entsprechend als Spirale konzipiert und erlaubt es, auf dieser Struktur durch das Angebot zu floaten. Jüngere Webdesigns für Kunden aus dem kulturellen Bereich wie der Whitechapel Gallery oder das Online-Kunstprojekt von David Bowie zeigen Design im Dienst von Funktionalität sowie den sensiblen Umgang mit Bildern künstlerischer Provenienz. Als Generalisten sind Spin auch im Bereich digitaler Filme tätig: ihr Kurzfilm UK/USA von 1999 funktioniert nach dem Channel-Hopping-Prinzip des Fernsehens: so wird zwischen signifikanten Szenarien aus beiden Kulturen umgeschaltet“ um auf diese Weise Unterschiede herauszufiltern. Das Medium Fernsehen beschäftigt Spin auch in ihrer Rolle als Broadcastdesigner für den britischen Kultur-Fernsehkanal Channel Four, für den sie die gesamte Identität entwickelt haben.

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