Signs of Trouble

Signs of Trouble 07

Cornel Windlin und M/M, Der Standard, 23.12.1998, S. 28, 29 
 

Cornel Windlin (Zürich)
Nach Studien bei Hans-Rudolf Lutz in Luzern begann Cornel Windlin 1987 seine Arbeit im Studio von Neville Brody und war später Art Director von The Face. Er betreibt heute sein eigenes Designstudio linetto in Zürich. Seine ästhetische Flexibilität und die Lust am Paradoxen hinderten den Schweizer bislang, einen bestimmten persönlichen Stil zu entwickeln. Windlin ist ein gewiefter Manipulator verschiedenster Kommunikationscodes, der etwa Schweizer Nachkriegsmodernismus, banale Alltagsgraphik oder dekonstruktive Tendenzen spielend beherrscht, aber nicht, um damit laue Beliebigkeit abzuliefern: Neben ungewöhnlichen Lösungen gelingt ihm ein witziges Unterlaufen der gestellten Themen und ein Problematisieren biederer Kommunikation. So schreckt er nicht davor zurück, Klischees und Tabus auch die seiner Auftraggeber mit den Möglichkeiten seiner Gestaltungen zu hinterfragen. Dafür hat er anspruchsvolle Klienten, wie etwa den Multimedia-Popper Peter Gabriel oder das Museum für Gestaltung in Zürich, für die er raffinierte Kataloge produzierte. Zürich ist für einen intelligenten, konfliktfähigen Zeichensteller wie ihn eine beinahe ideale Arbeits- und Reibungsfläche. Neben seiner Arbeit als Designer von Posters, Magazinen, Flyern, Corporate Identities und Katalogen fand er noch Zeit, Reefer Madness, einen Dance Music Club, zu gründen. Cornel Windlin, der seit einigen Jahren mit M/M kollaboriert, wird seinen Vortrag mit dem Pariser Team gemeinsam gestalten.

Clients: Rote Fabrik, Museum für Gestaltung, Shedhalle (Zürich), Kunsthaus Zürich, Peter Gabriel, NNT Data Corporation etc.


M/M (Paris)
Das Atelier Graphique von Michaël Amzalag und Mathias Augustyniak begann in den frühen 90er Jahren im Musikbereich zu arbeiten. Das Aufmischen des ästhetischen Bodensatzes, die Kombinatorik unvereinbarer qualitativer Höhenlagen wurde ihnen zum Grundkonzept und Weltbild. Im Gegensatz zu anglo-amerikanischen DesignerInnen kultivieren sie eine gewisse Distanz zum Computer: Den glatten, maschinengenerierten Formen ihres Macintosh begegnen sie mit ärmlich-aggressiven Handzeichnungen. Die beiden unberechenbaren Endzwanziger nehmen verachtete Materialien außerhalb der graphischen Zeichenwelt in ihr anarchisches Design-Register auf. Intelligent problematisieren M/M die Ordnung der Dinge: Niedergezüchtete Typographien französischer Bars und Geschäfte der 60er Jahre, Schnürsenkel, Pommes frites und Büroklammern dienen als Ausgangsmaterialien ihrer Fast Food Typographie. Kombiniert mit geschmacklosen objets trouvés, schwachen Visuals und seltsamen Kleinkram bilden sie die Zutaten der corps exquis ihrer Printdesigns, auf welche die gehobeneren Vertreter der französischen Musik-, Theater-, Kunst- und Modeszene, aber auch das dortige Außenministerium nicht verzichten wollen.

Clients: Yojhi Yamamoto, Jil Sander, Martine Sitbone, Musée d'Art Moderne (Paris), Les Inrockuptibles, eDEN etc.


(Walter Pamminger)

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