Eiserner Vorhang

Die temporären Eisernen Vorhänge

AutorInnen
Dominique Meyer

Sehr geehrte Damen und Herren!

Die Entscheidung meines Vorgängers Ioan Holender in Zusammenarbeit mit museum in progress, die große Fläche des Eisernen Vorhanges durch regelmäßig wechselnde neu gestaltete Sujets in den künstlerischen Diskurs einzubinden, war wichtig und richtig. Und auch ich sehe in diesen zur temporären Ausstellungsfläche umgewidmeten 176 m² einen geradezu notwendigen Beitrag im Sinne des Gesamtkunstwerkes eines Opernhauses im Allgemeinen und der Wiener Staatsoper im Besonderen. Auf diese Weise wird den Besucherinnen und Besuchern eine ideale Möglichkeit gegeben, liebgewordenes Altes und herausforderndes Neues, Tradition und Gegenwart in einen sich – hoffentlich – befruchtenden Kontext zu bringen. Denn mitnichten besteht das Musiktheater im bloßen Anhören von Musik und Betrachten von Kostümen und Bühnenbildern. Vielmehr wird das Erleben des Dargebotenen erst im Zusammenklang des umgebenden Rahmens, also des Zuschauerraumes und im weiteren Sinne des gesamten Hauses, zu dem singulären Ereignis, das einem Opernbesuch innewohnt und ihm den Wert gibt, den es für uns besitzt. Nicht umsonst wurde das von Dr. Georg Springer, dem Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, tatkräftig unterstützte Projekt auch andernorts – an der Komischen Oper Berlin – in ähnlicher Form aufgenommen und umgesetzt.

Es ist immer wieder betont worden – und es schadet nicht, es immer wieder zu betonen –, dass Kunst, und zwar jede Form von Kunst, nur lebendig erhalten werden kann in der ständigen Auseinandersetzung mit Ungewohntem, nicht Gekanntem, Unerwartetem, durch das Beschreiten neuer Wege, durch Widerspruch und Ergänzung, damit sie wie Hans Sachs in Wagners Meistersingern sagt „in der Gewohnheit trägem Gleise, ihr Kraft und Leben nicht verlier“.

Dominique Meyer
Direktor der Wiener Staatsoper

(Der Text entstammt der Publikation „Die temporären Eisernen Vorhänge“, 2012)

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