Geschälte Zeit 04

museum in progress stellt Fragen an: Anna Jermolaewa

Für die Ausstellungsserie „Geschälte Zeit“ von museum in progress im DATUM wählten Sie als Grundlage für Ihr Werk das Datum 7. November 1981 bzw. 1982. Welche Bedeutung trägt dieses Datum für Sie, was verbinden Sie damit?

Das ist der Tag der Oktoberrevolution. An dem Tag ging meine Familie, wie alle anderen auch, auf die Demonstration. Wir gingen in der Kolonne von der Fabrik, wo mein Vater gearbeitet hat. Ich durfte als Kind sogar manchmal auf dem geschmücktem Lastwagen fahren. Das hat viel Spass gemacht und war ein besonderer Tag.

Haben Sie sich schon in früheren Arbeiten mit diesem Thema auseinandergesetzt?


Nicht wirklich.

Welche Aspekte Ihres künstlerischen Schaffens sind Ihnen besonders wichtig?


Offenheit, Zugänglichkeit.


Wenn Sie eines Ihrer Werke bestimmen könnten, das die Zeiten überdauert und auch in der fernen Zukunft noch betrachtet wird, welches würden Sie wählen?

Vielleicht das Video „3 min. Überlebensversuche“ von 2000.

Spielen prägende Erlebnisse eine Rolle in Ihrer Kunst? Wenn ja: Was wäre ein Beispiel dafür?

Ja. Meine Arbeiten sind oft, wenn auch nicht immer vordergründig, autobiografisch. Als eines der prägendsten Erlebnisse würde ich meine Flucht in den Westen nennen.

Worin besteht für Sie der Reiz, ein Werk für den öffentlichen oder medialen Raum zu schaffen?

Ich erreiche damit ein breiteres Publikum.

Inwiefern sollte Kunst eine gesellschaftspolitische Funktion erfüllen?

Ich finde nicht, dass sie es unbedingt muss, aber ich zitiere oft meinen Landsmann Vladimir Tatlin, der mit voller Überzeugung geglaubt hat: „Unsere Kunst hat die Revolution vorweggenommen“. Ich finde es toll, wenn ein Künstler sowas von sich sagen kann.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach gute Kunst aus?

Sie trifft den Wundpunkt der Gesellschaft.

Wo liegen die Grenzen der Kunst?

Die Grenze liegt dort, wo jemand anderer ernsthaft verletzt wird. Ansonsten gibt’s keine Grenzen.


Alle Künstler/innen, die an der Ausstellungsserie „Geschälte Zeit“ teilnehmen, werden jeweils gebeten, die gleichen Fragen zu beantworten. Damit werden einerseits der serielle Charakter des Projektes und andererseits die individuellen Blickwinkel der Künstler/innen betont. Außerdem erhalten die interessierten Leser/innen dadurch weiterführende Informationen zu den einzelnen Werken und ihren Urhebern.

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