stealing eyeballs – designing media

stealing eyeballs – designing media

AutorInnen
Christian Muhr

Die Dynamik des Digitalen dominiert die gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung. Innerhalb des letzten Jahrzehnts konnte sich der Computer als zentrales und beinahe universelles Produktions- und Distributionsmittel etablieren und gleichzeitig die Idee des Zentrums selbst erodieren: längst sind die Konturen der Gegenwartsgesellschaft nicht mehr lokalisierbar sondern oszillieren ständig innerhalb des neuen Netzes global verbundener, digitaler Maschinen. Die digitale Revolution hat gleichzeitig zu einer Renaissance der Disziplinen der Gestaltung geführt. Als Gestalter von Interfaces sorgen Mediendesigner beispielsweise für die Anwendbarkeit komplexer Technologien und die Organisation von Information und besetzen damit gesellschaftliche Schlüsselpositionen. Zugleich übernehmen Mediendesigner als Technologie-Entwickler, Regisseure, Autoren, Theoretiker, etc. zunehmend verschiedene inhaltliche Kompetenzen und profitieren dabei zusätzlich von der rasanten Steigerung des Potentials ihrer digitalen Instrumente. Diese neuen Aufgaben, Rollen und Spielräume für Mediendesigner bilden das Thema der Ausstellung und Veranstaltungsreihe stealing eyeballs – designing media. 

Der Titel gebende Ausdruck stammt aus dem Sprachgebrauch rund um das Internet. Er bezieht sich auf die durch dieses Medium stark veränderten Wahrnehmungs- und Konkurrenzverhältnisse, die alle medialen Angebote mehr denn je zwingen, die Aufmerksamkeit eines Massenpublikums gleichsam zu „stehlen“. Dieser „Diebstahl“ als gestalterisches Manöver erfordert ständige Innovationsleistungen und zugleich die Auseinandersetzung mit dem avanciertesten Stand der Technologie. Ausgehend von relevanten Positionen im Bereich der „alten“ Medien versucht stealing eyeballs die aktuelle Verschiebung hin zu „neuen“ Medien nachvollziehbar zu machen und lineare und interaktive Medien in ein Vergleichsverhältnis zu setzen. Neben Graphikdesign wird deshalb besonders auf Webdesign, auf Experimente und Anwendungen mit bewegter Typographie (Motion Graphics) sowie auf neue Formen digitaler Filmproduktion fokussiert. Räumliche Konzentration und mediale Distribution, monographische Reduktion und inhaltliche Varianz, Gleichheit der Voraussetzungen und Unterschiedlichkeit der Resultate sind die zentralen Parameter eines ebenso einfachen wie strengen Konzeptes:

stealing eyeballs präsentiert zehn internationale Positionen, die exemplarisch die Fülle unterschiedlicher Methoden, Arbeitsformen, Aufgabengebiete und Stilistiken im aktuellen Mediendesign abbilden. Webdesign, Broadcastdesign, Motion Graphics, Filmtitel-Gestaltung, Animationen, Forschungen zu Interaktivität, Online-Games, Printdesign, Illustrationen und typographische Filme stehen als charakteristische Genres im Zentrum eines dezentral strukturierten Ausstellungsprojektes.

Primärer Schauplatz ist das Wiener Künstlerhaus, das für genau einen Monat mit diesem Thema und einem dichten Programm bespielt wird. Als permanente Ausstellung werden dort zehn interaktive, begehbare, multimediale Installationen zu sehen sein, die speziell für stealing eyeballs konzipiert wurden. Sie bieten entweder einen Querschnitt durch das jeweilige Gesamtwerk oder zentrale Werkausschnitte. Die Ausstellungsarchitektur, gestaltet von propeller z, bietet allen Teilnehmern die exakt gleichen räumlichen und technischen Voraussetzungen zur Präsentation und funktioniert in Korrespondenz mit dem visuellen Erscheinungsbild als Klammer zwischen den realen und medialen Ausstellungsteilen, denn stealing eyeballs ist nicht nur eine Mediendesign-Ausstellung, sondern auch eine Designausstellung in Massenmedien:

Alle Protagonisten werden im Rahmen des Projektes jeweils eine ganze Seite in der österreichischen Tageszeitung Der Standard frei gestalten. Gleichzeitig entwickeln sie kurze Clips, die auf über fünfzig großformatigen öffentlichen Bildschirmen im Wiener U-Bahnbereich und auf 14 Großbildflächen in elf polnischen Städten zu sehen sein werden. Allein durch diese mediale Exponiertheit wird es gelingen, Millionen Blicke zu „stehlen“. Das Ziel ist es aber, diese Blicke umzulenken und zu vertiefen: stealing eyeballs wird die Relevanz des Mediendesigns mit zentralen Beispielen nicht nur belegen, sondern auch deren Entstehungsprozesse thematisieren. Als integrativer Teil werden deshalb alle Designer ihre Ansätze in Form von Vorträgen und multimedialen Performances im Ambiente der Ausstellung präsentieren und zur Diskussion stellen.

stealing eyeballs versucht eine Standortbestimmung nicht nur im internationalen Maßstab, sondern auch im Hinblick auf die spezielle Situation des Mediendesigns in Österreich. An zwei Designers' Sundays werden wiederum zehn ausgewählte Mediendesigner, die in Wien arbeiten, Einblick in ihre Projekte geben. Als zusätzliches Programm wird permanent eine Auswahl typographischer Filme zu sehen sein, die vom Londoner Festival für digitalen Film onedotzero zusammengestellt wurde.

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