Cieli ad alta quota

Die Ausstellung als Weltkarte: „Cieli ad alta quota“ von Alighiero e Boetti

AutorInnen
Hans-Ulrich Obrist

Eine Ausstellung von Alighiero e Boetti im Flugraum, JanuarDezember 1993

Der Ausschnitt (eine bestimmte Anzahl Flugzeuge auf einer bestimmten Fläche) impliziert immer auch eine potentielle Ausdehnung, unter dem Passepartout geht es weiter im Tiefflug UND Hochflug.

Destinationen verbinden und verweben sich zu Linienkomplexen, wobei die Bedeutung in der Vielfalt der Möglichkeiten zur Migration der Formen gründet. Die Form ergibt sich aus der akkumulierten all-over Anordnung verschiedener Flugzeuge, ergibt sich also wie bei der „Klassifizierung der tausend längsten Flüsse der Erde“ aus einem gegebenen Fundus von Ausgangsmaterialien. Die Bilder entstehen auf diese Weise erst durch mehrschichtig geplante und ungeplante (kausale und akausale) Prozesse.

Ausgangspunkt dieser Ausstellung an Bord von Austrian Airlines ist der Versuch einer den Strukturen des Werks verwandten Ausstellung, die den bei Boetti omnipräsenten proliferativen Potentialen Rechnung tragen will, wodurch Fragen des materiellen Displays und der Konservation zugunsten der konzeptuellen Dimension der Erkenntnis und Aktion in Raum und Zeit in den Hintergrund rücken.

Es handelt sich um zirkulären Kontext: Inmitten des Wartens auf die Ankunft (Paul Virilio), tritt durch die Perturbation im Bordmagazin und die spielerische Teilnahme an Bord verfügbar zu sein, eine Erlebbarkeit auf den Plan.

In der Überschneidung der horizontalen Vernetzung der Punkte mit der rekonstituierten vertikalen Achse der Existenz begegnen sich Produktion und Rezeption der Werke: es eröffnet sich ein Simultanraum, wo Gegensätze sich begegnen. Der Blick schweift durch die unendlichen Gefilde, ohne dabei eine vorgegebene bildimmanente Hierarchie zu falten; ein Gefühl der Unendlichkeit, das die liegende 8 der Sprache wie auch der sphärischen Höhen begründen. Der Betrachter befindet sich inmitten eines Oszillierens des Partikulären und des Universalen, wie es Ernesto Laclau beschreibt.

„Die Schlußfolgerung daraus scheint zu sein, daß die Universalität mit jeder Partikularität inkommensurabel ist, jedoch nicht getrennt vom Partikulären existieren kann.“ (Ernesto Laclau in „Universalismus, Partikularismus und die Frage der Identität“)

(November 1992)

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