Wandzeitung 01

Wandzeitung 1992

AutorInnen
Judith Fischer

diagroßprojektion auf die feuermauer der hochschule für angewandte kunst

kunstprojekt: offensichtlich . fortlaufend

allgemein:
nach zweimonatiger schaltung von werbeblöcken (gestaltung: meisterklasse für graphik, prof. lürzer) finden von märz 1992 bis september 1992 auf der feuerwand der hochschule für angewandte kunst im rahmen des museum in progress-projektes WANDZEITUNG künstlerische großbildprojektionen statt. junge künstlerinnnen und künstler zwischen anfang zwanzig und mitte dreißig gestalten je eine serie von zwölf dias, die auf eine fläche von achtzehn mal achtzehn meter je vierzehn tage lang auf die wand geworfen wird.

näheres:
das medium in seiner eigensetzlichkeit, der ereignischarakter, das fortlaufen der offensichtlichen bilder, die ausdehnung des bildes auf einer fläche im öffentlichen raum und das notwendige spannungsverhältnis einer arbeit für das museum in progress-projekt WANDZEITUNG und der sonstigen ästhetischen produktion, bilden die koordinaten dieses kunstprojektes.

der öffentliche raum als public space ist nicht mehr vor allem ein raum politischer, dogmatischer agitation oder moralischer aufklärungsabsicht wie in den sechziger jahren. und diese feuermauer ist nicht einfach public space, sondern situiert und lokalisiert innerhalb eines ortes und eines ereignisses. die vierzehn projekte, die entwickelt worden sind, reflektieren diese strukturellen bedingungen.

eine neue generation junger österreichischer künstlerinnen und künstler (fast alle haben an der hochschule für angewandte kunst oder an der akademie der bildenden künste in wien studiert) reflektiert die bedingungen von projekten, begibt sich nur vorsichtig in zusammenhänge, die gefahr bergen, sie zu kategorisieren, ist vorsichtig gegenüber dingen und situationen, die sie definitiv festzusetzen zu suchen. gerade diese mißtrauischen, mutigen, reflektierten und doch unmittelbar in ihrer produktion engagierten künstlerinnen und künstler haben interesse für dieses projekt gezeigt. nicht alle vorhaben können jetzt realisiert werden.

so ist diese ausstellung im medialen raum einer mitteleuropäischen großstadt auch kein inhaltlich-monolithisches statement zur jungen österreichischen kunst geworden, aber einige linien lassen sich in den arbeiten verfolgen, einige ambivalenzen beschreiben:

* es kommt zu einem wiederaufgreifen von erfolgten oder erfolgreichen (kunst)diskursen im öffentlichen raum
* inventar und insignien des stadtraumes werden verarbeitet
* die werbung als durch das plakat sichtbarste und potenteste bildfläche im öffentlichen raum wird als versatzstück eingesetzt und durch paralellebenen in eine spannung miteinbezogen
* die fragmentarisierung und die bildung von patterns
* das ornamentale und die lakonische geste
* die rückkehr zu einer erzählung, die aus vexierbildern besteht
* der einsatz der sprache als slogan, stimulus und auslöserin von assoziationen, die einen werbungsgemäßen sprachgebrauch imitiert und semantisch konterkariert.

die räume und sprachen dieser kunst sind aber von den rändern gezeichnet und begeben sich in die gefährdung:
sexuelle und moralische tabuverletzung, klischee, dekoration, die verschlossenheit und prekäre brüchigkeit einer enigmatischen eigenen welt, komplexität, etc.

die arbeiten dieser künstlerinnen und künstler zwischen spielen im zentrum mit einer ambivalenz und einem empfindlichen gleichgewicht in den bereichen obszönes/heiliges, enigmatisches / öffentlich signifikantes, dekoratives / politisierbares, lakonie / absichtsvolles instrumentelles handeln.

der titel offensichtlich . fortlaufend deutete nicht nur das karussel der dias an, sondern auch den zirkel, die wiederkehr, die schleife und die wiederholung, diese struktur findet eine inhaltliche referenz in den dia-arbeiten.

dieses projekt und vor allem die von mir grtroffene auswahl ist stark mitbestimmt von den kommunikativen entwicklungen und dem diskurs, der sich zwischen uns allen aufgespannt und uns miteinander verwoben hat, ohne unsere unterschiede zu verdecken.

chronologische reihenfolge der teilnehmenden künstlerinnen und künstler im zeitraum von märz bis september 1992 je vierzehn tage großprojektion auf die feuerwand der hochschule für angewandte kunst:

fritz grosz / max böhme / oliver croy / margarete jahrmann / christian hutzinger / richard fleißner / matta wagnest / carola dertnig / wolfgang schrom / bonita szabo / dorit margreiter / richard hoeck / manuela burghardt / stefan beck / bernhard cella / klaus scherübl.

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