Sprachfelder 03

„Volk“

AutorInnen
Boris Manner

Volk n. „aus einer Vereinigung von Stämmen hervorgegangene ethnische Gemeinschaft, Bevölkerung eines Landes, (die einfachen) Leute, Menschenmenge“, ahd. folc n. . „Volk, Völkerschaft, Volksmenge, -haufen, Heer(haufen), die breite Masse“ (8.Jh), mhd. volc n. auch m. asächs. folk n. mnl. volc , mnd. nl. volk, aengl. folc, engl. folk „Leute“ (meist im Plur. folks), anord. schwed. folk „Volk, Leute“ führt auf germ. *fulka- „Kriegerschar, Heerhaufen“, vielleicht zu verstehen als „die Menge der waffenfähigen Männer“ als Repräsentanten der Gemeinschaft. Dann kann von ie. *plgo- „Fülle, Menge“ und von der Wurzel ie. *pel ( ) -, *plē- „aufschütten, (ein)füllen“ ausgegangen werden (s. voll, viel). – v ö l k i s c h Adj. „ein Volk betreffend, zu ihm gehörend, von ihm ausgehend“ (16. Jh.), volckisch (Ende 15. Jh.). – V o l k s -v e r t r e t e r m. „Vertreter, Verteidiger des Volkes gegen Beeinträchtigungen seiner Rechte, gewähltes Mitglied einer Volksvertretung, Abgeordneter“ (Anfang 19. Jh.). aus: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Akademie-Verlag, Berlin 1989 

Volck, Lat. Populus, heißt, nach des Cicero in Lib. de Republ. davon gegebenen Beschreibung und des Augustins de Civit. Dei. Lib. XIX. c. 21 Zeugniß, eine Menge oder ein Hauffen Leute, welche sich in der Absicht, unter sich alle mit einander gleich durch einerley Rechte und Vortheile zu geniessen, oder um ihres gemeinen Bestens willen mit einander vereiniget und eine Art der Gesellschafft errichtet haben. Ueberhaupt heißt Volck eine Versammlung vielerley Leute. Es ist dieselbe entweder von ungefehr, ohne daß eine Haupt - Absicht dabey ist, zusammen gelauffen; oder sie haben sich zu Beförderung ihrer Wohlfahrt mit einander vereinigt und verbunden; oder sie sind von einem Obern zusammengebracht worden. Bey der ersten Art wird nichts erhebliches zu erinnern seyn; Durch die dritte Art verstehet man z. E. die Soldaten, welche ein Landes - Fürst seiner Absichten wegen zusammen gebracht hat. Die andere Art, welche im eigentlichem Verstande ein Volck genennet wird, verdienet vornehmlich unsere Aufmercksamkeit. Man findet nehmlich dreyerley Arten von Volck, aus welchen die Republiquen zu entstehen pflegen. Denn es ist entweder eine Gesellschafft, so aus verschiedenen kleinern Gesellschafften bestanden, nehmlich aus gewissen Familien oder Dorffschafften, welche in einem gewissen Bezirck beysammen wohneten, und wegen Bequehmlichkeit der Nachbarschafft sich nach und nach zusammen gethan, und durch ein genaues Band mit einander verknüpffet haben; Oder es ist nur eine Rotte oder ein Hauffen zusammen gelauffenes Gesindels, so sich anfangs zusammen rottiret, auf Rauben und plündern auszugehen, auch wohl einen zum Haupt und Führer unter sich aufgeworffen, bis endlich gar eine ordentliche Republick daraus geworden; aus: Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Leipzig-Halle 1732-54.

TransAct 2, Sprachfelder – Archiv
Boris Manner, Redaktion

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