Politik der Kommunikation

Politik der Kommunikation von Thomas Locher

AutorInnen
Brigitte Huck

Wörter, Ziffern, Texte: das Werk von Thomas Locher dreht sich um Sprache und Kommunikation. Der 1956 in Mundekingen, Deutschland, geborene Wahlberliner ist ein Agent der Konzeptkunst. Die kritisch-analytische Software der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts verschaltet er mit aktuellen Fragestellungen. Durch die schematische, trockene Gegenüberstellungen von Ideen und Tatsachen, von Kommentar und Bild, entwirrt er imprägnierte Beziehungsgeflechte. Mit seinen Text-Bildern macht Locher die Strukturen sichtbar, die hinter den Systemen stecken. Kunstwerke von Thomas Locher sind stets Inszenierungen von Denkprozessen, die Hyperlinks zum Philosophen Ludwig Wittgenstein und seiner Abbildtheorie der Sprache, oder zu den linguistischen Untersuchungen des theoriegewaltigen Künstlers Joseph Kosuth bieten sich an. Dazu kommt ein sehr prägnantes soziologisches Interesse, denn wenn Thomas Locher ein System studiert, dann untersucht er auch seine politischen Implikationen und die praktische Auswirkung auf das Zusammenleben und Handeln der Menschen.

Für die Ausstellungsserie „Arbeitswelten“ der Arbeiterkammer hat der Künstler seine im Jahr 2000 entstandene Serie „Politics of Communication“ ausgewählt, für die er 2003 den renommierten IBM Kunstpreis für Neue Medien erhalten hat. Das Werk, das Locher nun für die Affiche adaptiert hat, besteht aus zehn monochrom lackierten Wandtafeln aus Stahl und Aluminium. An ihren Oberflächen haften verschieden große Fotografien und Textfelder auf Magnetfolie in einem stereometrisch-strengen Raster-Layout. Die Bilder zeigen anonyme Büroräume und Konferenzsäle und zoomen gelegentlich Details der seriell hergestellten, genormten Möblierung heran. Die Abbildungen besorgt sich Locher aus Designprospekten und Verkaufskatalogen unterschiedlicher Jahrgänge. Man ist überrascht, wie wenig sich die Ästhetik der Interieurs ändert und wie viel die lähmende Gleichförmigkeit über Hierarchien und Machtgefüge erzählt. Großraumbüros etwa, mit ihrem Anspruch der Offenheit und Demokratie, bedeuten in der Realität schlicht Überwachung und Kontrolle. Raumgröße und Einrichtungsraffinessen spiegeln Rang und Prestige der Mitarbeiter wider.

Locher koppelt die Bilder mit Sprachfeldern, verknüpft Bild und Begriff. Emotionslose, allgemeine, ja banale Texte erläutern die hierarchischen Strukturen der Bürokommunikation, ihre Systeme und Bestandteile. „Es gibt keine Nachricht“ ist zu lesen, oder „das wichtigste an der Nachricht ist ihre Übermittlung“ oder „eine Nachricht kommt selten allein“. Wenn Locher nun die Elemente der Kommunikation bezeichnet, sie beim Namen nennt, macht er die Sprache zu seinem Material. Er tut das mit der wissenschaftlichen Beharrlichkeit eines Botanikers, der die Systematik einer Pflanze untersucht. Mehr als am individuell gestalteten, subjektiven Objekt liegt ihm an der Grammatik der Dinge, am Allgemeingültigen, am Gesetz. Thomas Locher wirft damit das Konzept von Kunst als purer Ästhetik über Bord. Seine Methode ist die des planmäßigen Vorgehens nach einem regelgeleiteten, logischen System. Das Resultat seines konzentrierten Nachdenkens über Kommunikation und ihre Funktionsweisen lädt uns als Betrachter ein, eigene Argumente beizusteuern, die leeren Bühnen des Arbeitsalltags mit Menschen, mit gesprochener Sprache zu füllen, und die Kommunikation in den Fitnesslandschaften der so genannten Informationsgesellschaft zu verwirklichen.

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