TransAct 06

TransAct Statement

AutorInnen
Hermann Beil

Als Gastarbeiter zur Zeit in Berlin tätig, werde ich ständig dazu beglückwünscht, dass ich jetzt nicht in Wien sein muss. Ich weise diese Glückwünsche stets zurück. Allmählich aber beginne ich sie zu verstehen:

Flehentlich bittet die neue Regierung, die ja nicht gewählt worden ist, sondern durch trickreiches Manövrieren zustande kam, man möge sie nach ihren Taten beurteilen. Diese Regierung hat recht: wir müssen sie nach ihren Taten beurteilen. Es gibt Beispiele zuhauf, wie diese Regierung selbst beweist, dass sie kein Vertrauen genießt und keine Legitimation hat. Ein Beispiel: dem Skandal des nur dreiwöchigen Justizministers Krüger folgte der erneute Skandal, dass ausgerechnet des Kanzlermachers Anwalt Böhmdorfer berüchtigt durch seine vielen Prozesse in Sachen FPÖ zum neuen Justizminister berufen wird. Der unabhängigen Justiz steht jetzt einer der FPÖ sehr ergebener Anwalt vor. Wer soll da nicht künftig von Befangenheit reden? Wer soll da noch Vertrauen in die Justiz haben, gerade dann, wenn man sich gegen eine Ehrenbeleidigung durch Jörg Haider oder durch einen seiner Kumpane vor Gericht wehren muss?

Der Bundeskanzler will angeblich Haider domestizieren. Seine Methode aber ist, einen Skandal durch einen neuen Skandal zu ersetzen. Wie heißt es so schön? Wir sollen die neue Regierung an ihren Taten messen.

Hermann Beil, Berlin
Dramaturg, Berliner Ensemble


1. März 2K

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