Annapurna

Voglio vedere le mie montagne

AutorInnen
Brigitte Huck

Die neue Produktionshalle der TREVISION liegt an der Autobahn, kurz vor der burgenländischen Hauptstadt, in Großhöflein. Die Fassade des Firmenneubaus von Querkraft-Architekten ist eine der Autobahn zugewandte, 280 m² große Kunstausstellungsfläche. Ein 5 m hohes, über 56 m breites Cinemascope erstreckt sich panoramaartig über flache Felder, die auf einen endlosen weiten Horizont treffen.

museum in progress bedient sich seit 1993 der von Beko und TREVISION eingesetzten CALSI-Großbild-Technolgie. Die Großbilder an der Fassade der Kunsthalle Wien am Karlsplatz haben das Wiener Stadtbild geprägt: Ed Ruschas „17th Century – 20th Century“, Walter Obholzers „20 Fleck“, Gerhard Richters „River“, Douglas Gordons „raise the dead“ und kürzlich Ken Lums „There is no place like home“ sind ins Gedächtnis der Stadtbenutzer nachhaltig eingeschrieben. Ein guter Grund für die TREVISION, den Wahrnehmungsturbo am eigenen Haus einzusetzen.

Für das Radikalformat des Großbildherstellers hat der österreichische Maler Herbert Brandl, selbst ein experimentierfreudiger Meister extremer Bildgrößen, ein Sujet ausgewählt, das widerspenstig und faszinierend zugleich ist: ein gewaltiger Berg – der respektable Annapurna im Himalayamassiv – erhebt sich in der Tiefebene. Das doppelt gespiegelte Ausgangsbild multipliziert sich zu einer Bergkette, die durch das sanfte grüne Getreidemeer pflügt und den Blick in die Landschaft verstellt.

Berge sind ja immer irgendwie im Weg. „Nieder mit den Alpen – freier Blick aufs Mittelmeer“ forderten etwa die dahingehend traumatisierten Schweizer Jugendlichen im Jahr 1980. Solch schnöde Missachtung kann natürlich nur von Menschen kommen, für die Kraft und Herrlichkeit, das Erhabene und Unbezwingbare einfach nichts bedeuten. Der nicht unerhebliche Rest allerdings verharrt in emphatischem Staunen am Kodak Point und knipst sich bewusstlos am populärsten aller Knipserbilder, dem Hochgebirge.

Seit etwa zwei Jahren malt Herbert Brandl Berge. Riesenformate, im Raum installiert, die man durchwandert wie eine Landschaft. Die Konvention der Abstraktion tauscht Brandl gegen einen für ihn neuen Realismus. Wie kaum ein anderes Motiv ist das Gebirge mit seiner Masse, seiner Morphologie, mit den unabwägbaren Höhen, Schrägen und Tiefen, mit seinen starken Schatten und dem grellen Licht geeignet, die Möglichkeitsformen von Malerei zu testen, einen anderen Zugang zu finden und, wie Herbert Brandl zu verstehen gibt, Distanz zur abstrakten Malerei zu gewinnen. „Gleichsam im Inferno einer trivialen Gegenständlichkeit sucht diese Malerei ihre Erlösung“ kommentiert Peter Weibel Brandls malerische Versuchsanordnung zwischen Pathosformel und Bildexperiment. Brandl hat den Umstand, zu malen, immer mit einer kritischen Reflexion des Mediums verbunden. Aus dem Fundamentalismus, der in der Repräsentation steckt, werden neue Erfahrungen gewonnen, auf die der Künstler zurückgreifen wird, im Laufe der Expansion seiner Arbeit.

Herbert Brandls Wahrnehmungsangebot an das zivilisatorische Basismodell unserer Gesellschaft, den Autofahrer, ist voll Witz und Ironie. Der Berg als Antikonzept des modernen Lebens trifft auf die Schnellstraße, die – zumindest vor der Erfindung des Datenhighways – für Tempo, Fortbewegung und Veränderung stand. Die Navigatoren am Volant, sie werden irritiert sein, unschlüssig, ob eine Fata Morgana oder ein Hologramm sie täuscht. Sie werden kurz durchatmen und weiterfahren. Denn zum Durchatmen sind sie immer, die Bilder des Herbert Brandl.

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