DO IT – TV-Version

DO IT

AutorInnen
Hans-Ulrich Obrist

DO IT ist Alighiero e Boetti gewidmet

Als Ursprung der Handlungsanweisungen, die mit Kunstwerken zusammenhängen, kann man Marcel Duchamp nennen – und damit auf der einen Seite das „unglückliche Ready Made“ („ready-made malheureux“) von 1919, bei dem der Künstler von Argentinien Anweisungen für eine Balkonarbeit gibt, und auf der anderen Seite seine Aufzeichnungen mit dem Titel „Spéculations“, wo man Handlungsanweisungen findet wie „Ein Bild oder eine Skulptur machen, so wie man eine Filmspule abspult“ oder „Ein Wörterbuch kaufen und die Wörter ausstreichen, die auszustreichen sind“. Dazu bemerkte Marcel Duchamp: „All diese Aufzeichnungen hatten eines gemeinsam: Sie waren alle im Infinitiv geschrieben. À l'infinitiv, das heißt, die Dinge tun, endlich das machen, was ich niemals getan habe.“

Mit dieser Formel des Infinitivs bezieht Marcel Duchamp eine Haltung gegen die Selbstinszenierung des Künstlers. Seine Anweisungen erscheinen wie Strategien parallel zu den Ready Mades, und ermöglichen es, jede subjektive Geschmacksvorstellung des Künstlers zu eliminieren und – im Gegensatz zum Ready Made, das altert – immer gegenwärtig zu sein, dort wo das Werk sich gerade befindet.

Mit Cage werden Partituren zu Instruktionen, die eine mehrfache Realisierung autorisieren. Das Kunstwerk realisiert sich durch die Anwendung der Anweisungen. Bei Guy Debord funktioniert die Handlungsanweisung in der Parodie und der Umkehr der Funktion: Die Quellen explodieren. Jeder Begriff eines Originals wird aufgegeben.

DO IT verweigert vollkommen den Begriff des Originals zugunsten einer offenen Konzeption für die Realisation des Werkes.

Alle Werke werden vor Ort realisiert, aufgrund präziser Instruktionen der Künstler in Form der Gebrauchsanweisung. Oft ist deren Ausgangspunkt der Alltag mit seinen Gegenständen und Handlungen. Im Gegensatz zum Theater hat DO IT weder Anfang noch Ende.

DO IT – TV-Version, museum in progress, 1995/96

Im Gegensatz zur Museumsversion von DO IT, die seit der Klagenfurter Premiere im Jahre 1994 (Ritter Kunsthalle) durch verschiedene Museen Europas und Amerikas tourt (Glassgow, Nantes...) ist die DO IT – TV-Version nicht mehr an einen bestimmten Ausstellungsraum gebunden. Durch die Fernsehausstrahlung kann DO IT eine virale Verbreitung erfahren. Im Rahmen der Kultursendung „10 1/2“ des ORF wird während dreier Monate allwöchentlich eine Handlungsanweisung zum Hausgebrauch anhand eines kurzen 1- bis 3-minütigen von den jeweiligen Künstler/innen gestalteten Clips ausgestrahlt.

Ausgangspunkt sind oftmals alltägliche vertraute Objekte und Vorgänge, die durch die Fernsehzuschauer/innen gemäß den Handlungsanweisungen der Künstler aktiviert bzw. animiert werden können. Die Bedeutung der Handlungsanweisungen wächst mit den verschiedenen Interpretationen und Ausführungen.

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