raising flags

raising flags 41

„Transient Mountains entstand aus einer flüchtigen Begegnung von Erinnerung, Material und Landschaft. Während einer Winterresidenz am LAMO [einer Kunstorganisation in Leh] im Jahr 2022 erlebte ich meinen ersten Schneefall nach sechs Jahren Abwesenheit von Ladakh. In der Stille der Landschaft legte ich intuitiv einen Eierkarton auf den frischen Schnee. Für einen kurzen Moment formte dieser den Schnee zu einer fragilen Berglandschaft. Bevor der Schnee schmolz, fotografierte ich den Abdruck und bewahrte so einen Augenblick, der sonst verschwunden wäre. Vier Jahre später kehrt dieses Bild in Form einer Flagge zurück. Auf Stoff gedruckt und dem Wind überlassen, wird aus meiner persönlichen Geste eine Einladung, über Vergänglichkeit, Zugehörigkeit und die Verletzlichkeit unserer Umwelt nachzudenken. Der geschmolzene Schnee wird zur Metapher für verschwindende Landschaften, die Folgen des Klimawandels und die Flüchtigkeit der Erinnerung. Die Flagge trägt zugleich Abwesenheit und Präsenz in sich: Eine Spur der Berührung, eine verschwundene Form und eine erinnerte Heimat leben in ihrer Bewegung fort.“ (Skarma Sonam Tashi)

Transient Mountains ist der 41. Beitrag zur Ausstellungsreihe raising flags von museum in progress. In Kooperation mit der sā Biennale Ladakh 2026 entstanden, wird Skarma Sonam Tashis Flagge im August 2026 parallel zur Wiener Stubenbrücke auch in Lamayuru (Indien) auf 3.500 Metern Höhe präsentiert. Während die dargestellten Schneeberge im hochsommerlichen Wien für manche wohl als Sehnsuchtsort erscheinen, werden sie in der Bergwelt Ladakhs zu emblematischen Zeichen kollektiver Identität und kultureller Zugehörigkeit.

Skarma Sonam Tashi wurde 1997 in Sapi geboren, einem entlegenen Himalaya-Dorf in Ladakh, dessen Landschaft, traditionelle Architektur und kulturelle Überlieferungen sein künstlerisches Schaffen wesentlich geprägt haben. Seine Arbeiten greifen häufig Erinnerungen an diesen Ort auf. Dabei verwendet er recycelte Materialien, um Themen wie Ökologie, Nachhaltigkeit und die Beziehung zwischen den Menschen und der fragilen Umwelt Ladakhs zu reflektieren.

 

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