Im Rahmen des Projekts raising flags von museum in progress – dem 39. Beitrag der Reihe – gestaltet Andreas Fogarasi mit Branding the Public (Austria) vier Fahnen, die jeweils ein bekanntes österreichisches Bildsymbol zeigen. Die ausgewählten Zeichen bilden die visuelle Identität staatlicher und staatsnaher Institutionen im genannten Zeitraum ab und sind tief im kollektiven Gedächtnis verankert:
AUA (1972–2003)
ORF (1968–2002)
ÖBB (1974–2004)
Made in Austria (1978–2004)
Indem Fogarasi diese Zeichen aus ihrem ursprünglichen, funktionalen Kontext löst und auf die Form der Fahne überträgt, transformiert er sie in emblematische Zeichen nationaler Selbstrepräsentation. Die Fahnen fungieren dabei nicht als Träger expliziter Botschaften, sondern als visuelle Verdichtungen institutioneller Präsenz, ökonomischer Macht und staatlicher Identitätsproduktion. Ihre scheinbare Neutralität verweist zugleich auf die Durchdringung des öffentlichen Raums durch Logos und Signets, die Orientierung versprechen und Zugehörigkeit markieren.
Die Fahnen entfalten ihre Wirkung im Spannungsfeld zwischen Alltäglichkeit und Symbolik. Fogarasis Intervention macht sichtbar, in welchem Maß nationale Identität über Design, Markenästhetik und visuelle Wiedererkennbarkeit vermittelt wird. Sie machen aber auch sichtbar, wie stark diese Formen der Repräsentation zeitlich gebunden sind. Alle vier Piktogramme entstanden in den Jahren gesellschaftlicher Umbrüche nach 1968 und verloren ihre Verwendung in der Zeit zunehmender Deregulierung kurz nach der Jahrtausendwende. Fogarasi setzt damit Signalmarken kollektiven Zeiterlebens.
So werden die Flaggen zu bewegten Projektionsflächen von Fragen nach Repräsentation, Autorität und der Rolle öffentlicher Institutionen. Zugleich laden sie zur Reflexion über den Wandel visueller Bildsprachen im Kontext gesellschaftlicher und staatlicher Transformationen im Wandel der Zeit ein.
Andreas Fogarasi (*1977 in Wien) ist ein österreichischer Künstler, der in Wien lebt und arbeitet. In seiner konzeptuellen Praxis beschäftigt er sich mit Architektur, Design und urbanen Symbolen sowie mit den sichtbaren und unsichtbaren Codierungen kultureller Identität. Seine Arbeiten untersuchen, wie gesellschaft-liche Werte, Machtverhältnisse und nationale Selbstbilder in Formen, Oberflächen und Zeichen eingeschrieben sind. Dabei bedient sich Fogarasi häufig der Strategien der Aneignung, Reduktion und Verschiebung, um vertraute visuelle Systeme neu lesbar zu machen.
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