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Chapter 04

Agnieszka Kurant präsentiert Werke, die im Dialog mit Wissenschaftler*innen, Linguist*innen, Ingenieur*innen und KI-Forscher*innen entstanden sind. Die Projekte beschäftigen sich mit selbstorganisierenden Systemen, künstlicher Intelligenz, spekulativen Zukünften und rekursiven Rückkopplungsschleifen, durch die Daten, Sprache, Bilder und Prognosen die gegenwärtige Realität prägen. Kurant untersucht technologische, soziale und wirtschaftliche Systeme und reflektiert über Prognosen, Automatisierung und den Einfluss von KI auf das kollektive Bewusstsein.

I. Uncomputables, eine Installation, und Unthoughtforms, eine Gruppe hängender Skulpturen, sind von den Experimenten des britischen Kybernetikers Gordon Pask inspiriert, der davon ausging, dass lebende Systeme Probleme lösen können, die über menschliches Denken und herkömmliche Formen der Berechnung hinausgehen. Kurant reaktiviert seine „chemischen Computer“, indem sie durch elektrische Ströme und Schallwellen, die durch eine Kupfersulfatlösung geleitet werden, Kupferkristalle wachsen lässt. Die Formen entwickeln sich in Reaktion auf von KI erfasste sozialpolitische und wirtschaftliche Daten und übersetzen aktuelle Debatten über scheinbar unlösbare Probleme in physische, abstrakte Strukturen und spekulative Modelle kollektiver Intelligenz.

II. Ausgehend von einer Frage, die Stewart Brand 1973 dem Kybernetiker Gregory Bateson stellte – was ein Chamäleon tun würde, wenn es mit seinem eigenen Spiegelbild konfrontiert wäre –, inszeniert Recursivity einen endlosen Spiegeltest. Die Bronzeskulptur ist mit Flüssigkristallen beschichtet, während ein eigens entwickeltes KI-System Millionen von Vorhersagen über die Zukunft aus sozialen Medien verarbeitet und in thermische und elektrische Signale übersetzt, die die Farben des Chamäleons kontinuierlich verändern.

III. Phantomatics greift auf künstliche Sprachen und das Gedankenexperiment der „philosophischen Zombies“ zurück – Wesen, die physisch mit Menschen identisch sind, jedoch kein Bewusstsein besitzen. Das in Zusammenarbeit mit dem Computerlinguisten Gašper Beguš entwickelte Werk nutzt eine mit Tausenden von Sprachen trainierte KI, um vollständig neue Sprachen zu generieren, jeweils mit eigener Grammatik, Phonetik und eigenem Namen. Die generierten Sprachen werden mit phonetischen Transkriptionen und englischen Untertiteln präsentiert. Der Titel verweist auf Stanisław Lems Konzept der „Phantomatik“: künstliche Realitäten, in denen sich Sprachen ohne menschliche Sprecher*innen entwickeln.

IV. Risk Landscape ist eine Serie von Hologrammen, die prognostizierte finanzielle, politische und klimatische Ereignisse an Orten wie Florida, Luxemburg, Lwiw, Gaza und Katar darstellen. Das in Zusammenarbeit mit Datenwissenschaftler*innen und Spezialist*innen für Katastrophenmodellierung entwickelte Werk nutzt KI, um Szenarien wie Naturkatastrophen, geopolitische Konflikte, Finanzkrisen und Terrorismus zu simulieren. Der aus dem Finanzrisikomanagement entlehnte Titel verweist darauf, wie spekulative Zukünfte durch statistische Wahrscheinlichkeiten quantifiziert und monetarisiert werden.

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