Ghada Amer (*1963 in Kairo) ist eine ägyptisch-französische Künstlerin. In ihren Arbeiten setzt sie sich intensiv mit den Themen Feminismus, Geschlechtergleichstellung sowie der komplexen Beziehung zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden auseinander. Malerei und Grafik sind seit Beginn ihrer Karriere zentrale Aspekte ihres Schaffens. Im Laufe der Jahre arbeitete sie jedoch auch mit Stickereien, Keramik und Bronze sowie mit Garteninstallationen, die sich im Spannungsfeld von Figuration und kalligrafischer Abstraktion bewegen. Dies ist auch bei diesen Textilarbeiten der Fall. Armer eignet sich die visuelle Sprache der Gebrauchsgrafik an und eröffnet so die Möglichkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit globalen politischen Konflikträumen. Dies gelingt ihr durch die Übersetzung von Kalligrafie in Flaggen und von Flaggen in Kalligrafie.
Thomas Bayrle (*1937 in Berlin) ist ein deutscher Maler, Grafiker, Objekt- und Videokünstler. In seinen Arbeiten verbindet der gelernte Musterzeichner und Weber Elemente der amerikanischen Pop-Art und des Neo-Dadaismus. Durch eine serielle Wiederholung in Rasterstrukturen erzeugt er Werke, die sich scheinbar endlos wiederholen. In dieser Arbeit setzt Bayrle auf lichtsensitivem Papier schnelle Pinselstriche unterschiedlicher Stärke nebeneinander. Anschließend wird das Papier belichtet, wodurch aus den einzelnen Strichen menschliche Körper sowie Körperteile entstehen. Diese spiegeln unterschiedliche emotionale Stadien wider, die von einem expressiven Aufschrei bis hin zu einem teilnahmslosen Abwenden reichen.
Durch die paarweisen Gegenüberstellungen treten die Arbeiten der beiden Kunstschaffenden miteinander in Dialoge. Bayrles emotional erregte Körper scheinen die in den Textilarbeiten Amers adressierten Konflikte zu reflektieren und zu kommentieren. Sie laden die Betrachter*innen ein, sich durch ihre eigenen Körper in diese politischen Räume einzufühlen. Amers Arbeiten eröffnen wiederum die Möglichkeit, darüber nachzudenken, was diese globalen Konflikträume mit Körpern machen, wie sie diese bestimmen und dominieren und wie sich Körper auch dagegen zur Wehr setzen.















