Vital Use

Vital Use 08

Carsten Höller, Der Standard, 20.06.1995, S. 6, 7 
 

Verschiedene Formen der Dispersion ziehen sich wie ein roter Faden durch das Werk von Carsten Höller, der immer wieder die Frage nach dem Gebrauchswert von Kunst stellt. Es ist nicht sein Anliegen, in sich abgeschlossene Objekte (oder im Fall des Standard eine hermetische Seite) zu schaffen, sondern es geht ihm vielmehr darum, eine direkte Stellungnahme der Leser zu provozieren. Höllers Manifest für die Liebe ist zugleich ein Statement gegen den Zwang zur genetischen Reproduktion. Wenn am Anfang unseres Jahrhunderts revolutionäre Ereignisse in der Physik unser Weltbild verändert haben, ereignen sich am Ende dieses Jahrhunderts grundsätzliche Veränderungen auf dem Gebiete der Mikrobiologie, die auf andere Disziplinen ausstrahlen. Wir erleben einen Übergang vom physikalisch mechanistischen Paradigma zu einem mikrobiologischen Paradigma. Parallel dazu finden auch in der Ästhetik, die zunehmend mit der interdisziplinären Neurologie in Berührung kommt, große Veränderungen statt. Carsten Höllers Werk ist Teil dieser fundamentalen Übergänge.

(Hans-Ulrich Obrist)

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