stealing eyeballs – designing media

stealing eyeballs 10

Imaginary Forces, Der Standard, 19./20.05.2001, S. 41 
 

Imaginary Forces (Los Angeles)

Das 1996 gegründete Studio Imaginary Forces agiert in allen Sparten medialen Designs. Die Gestaltung von Filmtiteln  – obwohl sie nur ca. 20 Prozent des Outputs ausmacht – stellt die eigentliche Spezialität des 80-köpfigen, multidisziplinären Teams dar, das direkt in Hollywood stationiert ist. Der Creative Director Kyle Cooper war Student des legendären Designers Paul Rand und hat, vom Graphikdesign kommend, das narrative Potential des Genres Filmtitel schon 1995 in einer seiner ersten Arbeiten, dem Vorspann zu David Finchers Film Seven, so eindrucksvoll demonstriert, dass der ca. zweiminütige Vorspann fast mehr Beachtung fand als der Film selbst.

Obwohl es eine erkennbare Vorliebe für dunkle, drastische und dramatische Akzente gibt, können Imaginary Forces nicht auf eine durchgängige Stilistik festgelegt werden: ihr gestalterisches Vokabular reicht von handschriftlichen Kritzeleien über illustrationsähnliche Zeichnungen bis zu jener rasanten Kinetik der Typographie, die Schrifttypen so beschleunigt, dass sie sich in Abstraktion aufzulösen scheinen. Grundsätzlich dominiert die Haltung »Break away from modernism«, sowie eine Vorliebe für dramatische Bild-Schrift-Konstellationen. Neben der semantischen Komponente interessiert sich das Team auch für die Physis und die Figuren, die sich mit dem Notationssystem Schrift erzeugen lassen. Durch die Arbeit an Statik und Sequenzialität von Schrift werden Typographie und Choreographie in ein neues Verhältnis gerückt.

Nicht pure Demonstration des wachsenden Arsenals an Spezialeffekten sondern die narrative Dimension steht generell im Mittelpunkt. Mit den aktuellen Möglichkeiten bewegter Typographie werden kurze, komprimierte Geschichten erzählt, die den Inhalt der jeweiligen Filme transportieren und auf eigenständige Weise kommentieren.

Imaginary Forces haben mit ihren Produktionen nicht nur an die historischen Leistungen von Saul Bass (The Man with the Golden Arm von Otto Preminger aus dem Jahr 1955 oder Vertigo von Alfred Hitchcock, 1958) angeknüpft, sondern dadurch auch die Rolle der Designer im Bereich Film in den Vordergrund gerückt. Designer wie Imaginary Forces sind nicht nur von Anfang an in die Filmproduktion eingebunden sondern mutieren selbst zu Regisseuren komplexer Text-Bild-Geschichten. Es verwundert daher nicht, dass ihre Beiträge zu einer regelrechten Renaissance im Bereich der Filmtitel geführt haben und weit darüber hinaus den gesamten Multimediasektor beeinflussen.

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