stealing eyeballs – designing media

stealing eyeballs 04

Alexei Tylevich, Der Standard, 27.04.2001, S. 42 
 

Alexei Tylevich (Los Angeles)

Mit seinen knapp 30 Jahren verfügt Alexei Tylevich bereits über eine ungewöhnliche Biographie, die von immenser Produktivität und Vielseitigkeit im Bereich Design zeugt: er arbeitet als Print- und Fontdesigner, entwickelt Verpackungsdesigns, High-End-Computer-Animationen und neue Sendeformate für das Internet. Seine eigentliche Domäne sind zeitbasierte Medien wie TV und Film, für die er in Los Angeles ein intensives Betätigungsfeld findet. Im dortigen, extrem kommerzialisierten Klima fühlt sich Tylevich mittlerweile wohl, obwohl es ihm als weißrussischem Immigranten ursprünglich völlig fremd war und er sich – nicht zuletzt deswegen – eine spezifische Distanz bewahren konnte.

Nach Abschluss des Minneapolis College of Art und einem Praktikum bei Scott und Laurie Makela übernimmt er 1996 die Art-Direktion des High-School-Nachrichtensenders Channel One News. Dessen junges Publikum mit Nachrichten zu fesseln, erfordert die Entwicklung einer suggestiven, sich immer verändernden Designsprache, die trotzdem exakt die gesendeten Informationen transportieren muss.

Diesen spezifischen Anforderungen begegnet Tylevich mit einer vitalen, oftmals explosiven Mischung aus stark unterschiedlichen visuellen Bereichen wie modernistischen Fonts, naturwissenschaftlichen Illustrationen oder experimentellen Filmen der Siebziger Jahre. Dieser Variantenreichtum und die dadurch generierte visuelle Energie haben Channel One News den Ruf eingetragen, bezüglich Design nicht nur innovativer und risikobereiter sondern auch einflussreicher als MTV zu sein.

Tylevichs Gestaltungen sind einerseits synthetisch, indem sie visuelle Quellen und heterogene Motive verwischen bzw. überlagern und andererseits analytisch, was ihre Aussagen betrifft: es gelingt ihm, mit seiner genau eingesetzten, subversiven und sinistren Bild-Text-Dramaturgie an der glatten Oberfläche der Massenmedien zu kratzen, für die er arbeitet und deren konformistische Inhalte er mit designerischen Mitteln konterkariert.

Neben zahlreichen prominenten Auftragsarbeiten wie der Trailergestaltung für den James-Bond-Film Tomorrow never dies (1997) und stark graphikbasierten Werbeclips gründete der passionierte Freelancer jüngst seine eigene Design- und Produktionsfirma Logan um die Balance zwischen freier und kommerzieller Arbeit selbst zu steuern.

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