stealing eyeballs – designing media

stealing eyeballs 01

Fork Unstable Media, Der Standard, 19.04.2001, S. 15 
 

Fork Unstable Media (Berlin/Hamburg/NYC)

Fork Unstable Media wurden 1996 von zwei amerikanischen und einem deutschen Designer damals noch Studenten in Hamburg gegründet und entwickeln seither innovative und eigenwillige Projekte in allen Bereichen digitaler Kommunikation. Sie gelten als Spezialisten für eine intelligente, medienadäquate Positionierung traditioneller und neuer Marken im Netz und zugleich als respektlose Saboteure medialer und kommerzieller Hypes. Sie beherrschen den Spagat zwischen Commerce und Community und setzen ihre Erfahrungen in beiden Bereichen strategisch und wirkungsvoll ein: Wenn Fork in ihrem Online-Spiel The Princess Di Tunnel Racer einen rasenden Mercedes auf tödlichem Crash-Kurs zeigen, entwickeln sie zugleich eine hochkomplexe Website für den Auftritt von Daimler-Chrysler auf der EXPO 2000; diese präsentiert sich extrem strukturiert und ohne rhetorische Reibungsflächen. In jedem Fall arbeiten sie auf avanciertem technischen Niveau und reizen verfügbare Bandbreiten bis zum Äußersten aus, beispielsweise bei experimentellen Interfaces, deren visuelle Ebenen um eine gleichberechtigte akustische erweitert wird. Navigation ist für Fork nicht nur eine Frage der Stringenz sondern auch der Inszenierung von Try-And-Error-Erfahrungen, die das Navigieren selbst thematisieren.

Auf ihrer eigenen, sich ständig verändernden Site betreiben Fork Trashdesign, das Signale aus der Welt der Computerspiele mit verzerrten Kartographien und Ansichten anonymer Architekturen zu einem beinahe paramilitärischen Layer verbindet. Vor diesem Hintergrund fungieren deutsch-englische Wortfolgen als Attacken auf penetrante Nationalismen sowie Ingredienzien deutscher Identitätsbildung: Begriffe wie Berlin Besetzte Zone oder The Iron Curtain stehen als Symbolleiste (!) auf der Startseite des Unternehmens ebenso wie die verfremdete Zeichnung eines deutschen Schäferhundes. Die Beharrlichkeit nationaler Kitsch- und Klischeevorstellungen ist ein wiederkehrendes Thema für dieses deutsch-amerikanische Design-Freundschaftsteam.

Fork betreiben Design zur Destabilisierung bestehender medialer und gesellschaftlicher Konventionen und als Diskurs über sinnvolle Alternativen. Ihr cleveres Doppelagententum mit starkem Rückgrat und hoher technischer und visueller Intelligenz macht Fork Unstable Media auch zu einem Paradebeispiel für das strategische Potential von Design.

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