Botschaft als Medium

Die Botschaft als Medium

AutorInnen
Helmut Draxler

„Die Botschaft als Medium“ versteht sich als eine Ausstellung, die nicht in einer Galerie oder einem Museum, sondern ausschließlich in Printmedien stattfindet. Von Oktober 1990 bis Juli 1991 wird in jedem Cash Flow Heft ein Künstler einen Beitrag im Ausmaß von 4 Seiten gestalten. Parallel dazu steht einmal im Monat im Standard eine Panoramaseite zur Verfügung. Am Ende des Jahres kommen alle Hefte in einen Schuber und werden in der Kunstwelt als gleichzeitig Katalog und Edition / bzw. Jahresgabe Cash Flow) vertrieben. Von einer Ausstellung kann man deshalb sprechen, weil einerseits keine Reproduktionen nach „eigentlichen“ Werken zu sehen sein werden – die Druckseite ist das Original und nicht irgendein Entwurf – und andererseits, weil diese Druckseiten auch als ein ganz bestimmter „Raum“ aufzufassen sind. Und zwar nicht als jene „weiße Schachtel“ der geschlossenen und behüteten Kultur, sondern als spezifisch weltgewandter, öffentlichkeits-, informations- und wirtschaftsbezogener Raum.

Für alle Künstler gilt, dass der Umgang mit dem jeweiligen Medium, bzw. die besondere Öffentlichkeit des eigenen Erscheinens, als das eigentliche Thema aufzufassen ist. Der Bezug auf die vorhandenen formalen, inhaltlichen und Komponenten steht zur Diskussion. Vornehmlich geht es um die Selbstbehauptung des Künstlers jenseits der geschützten Reservate in einer Welt, die nicht unbedingt die seine ist, in diesem Fall zwischen journalistischer Sachlichkeit, Perfektion im Design und werbetechnischer Verführung. Dem steht auch ein Publikum gegenüber, das an dieser Stelle keine Kunst erwartet. Selbstbehauptung dieser Art führt auch zu aktueller Selbstbestimmung: Denn der zeitgemäße Künstler definiert sich nicht mehr aus sich selbst heraus, sondern stets in Relation zu anderem. Seine Arbeit lässt sich längst nicht mehr in Kategorien wie Malerei oder Skulptur denken. Er agiert als Wissenschaftler, Journalist, Philosoph, Politiker, Prediger oder Designer, nur die Art und Weise, wie er sich des „anderen“ bedient, kennzeichnet ihn als Künstler. An der inneren Stimmigkeit von Genies, wie es von billigen Profiteuren ohnehin genug bemüht wird, ist keiner mehr wirklich interessiert. Es geht vielmehr um spezifische Differenzen zwischen einerseits Einbindung und andererseits Entlastung aus dem funktionalen und institutionellen Sachzwängen (hier: der beiden Medien). In diesem Zwischenspiel liegt die Chance, mehr als gefällige Wertanlage zu sein und neue Formen von Wissen und Bewusstsein zu produzieren.

(Wien 1991)

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