Your Way to the Top

Your Way to the Top

AutorInnen
Brigitte Huck

Seit 1997 arbeitet das Künstlerpaar Helmut und Johanna Kandl gemeinsam an Projekten, die konkrete gesellschaftliche Fragen und Problemstellungen behandeln. Helmut Kandl, der als Fotokünstler, und Johanna, die als Malerin eine wichtige Position in der österreichischen Gegenwartskunst vertritt, dokumentieren mit ihren Gemeinschaftsproduktionen ein neues Rollenverständnis: KünstlerInnen mischen sich in ökonomische, politische oder soziale Kontexte ein, sie untersuchen die verschiedensten Bereiche unserer unmittelbaren, erlebten Umwelt und übersetzen die Ergebnisse ihrer Recherchen in die Sprache der Kunst, in ästhetische Aggregate mit Dialogpotential.

„Your Way to the Top“ beschäftigt sich mit dem Thema „Arbeitswelten“. Das Anliegen der Arbeiterkammer, gesellschaftsrelevante Fragen im Format der bildenden Kunst zur Diskussion zu stellen, stimmt mit den künstlerischen Intentionen Helmut und Johanna Kandls in geradezu Weise überein. Das Resultat der Zusammenarbeit beider Künstler führt außerdem die symbiotische Verbindung von Thema (Johanna) und Methode (Helmut) vor Augen. Hat sich Johanna Kandl über viele Jahre hinweg dem Realitäts- und Ortsbezug in kooperativem Dialog verschrieben, ist Helmut Kandl der Impresario gefundener Ordnungssysteme.

Das Material für „Your Way to the Top“ ist eine Sammlung von Glasnegativen aus dem Niederösterreichschen Landesmuseum. Es sind Lehrmittelbehelfe, die unter anderem ein umfangreiches Konvolut von über 400 kolorierten Fotos beinhalten, die verschiedene Arbeitssituationen und Produktionsmittel zeigen. Aus dem Archiv der Zwischenkriegszeit hat Helmut Kandl verschiedene Motive ausgewählt – Arbeiter am Hochofen, bei der Lederverarbeitung, in Molkereien, Mühlen und in Bergwerken. Daneben erzählen Bilder von den trügerischen Frauenidyllen, den Kindern und der Hausarbeit. Die suggestive Romantik des historischen Fotomaterials widerlegt Johanna Kandl mit Textzitaten aus der Wirtschaftswelt. Es sind die häufig so trivialen Sprüche der Mächtigen, der Tycoone mit ihren Leadership-Fantasien und die nicht minder zynischen Sager der Werbegurus, die ihre Strategien unverhohlen deponieren. „Geld tut Frauen richtig gut“ sagt etwa Bodo Schäfer, Deutschlands erster Money Coach, und Georges Soros bekennt: „Im Kapitalismus geht es darum, reich zu werden“. Mit kritischem Verstand und einer gehörigen Portion Subversion dekonstruieren die Kandls den Mythos des vermeintlichen Fortschritts. Die Botschaften aus der Wohlstandsgesellschaft tauchen in verschiedenen Sprachen auf, in Deutsch, Englisch, Serbokroatisch und Türkisch. Womit ein Link zwischen visueller Organisation und den verschiedenen Rezeptionsebenen hergestellt ist.

Aus den Verschiebungen zwischen Wort und Bild, zwischen Zeichen und dem Bezeichneten entsteht ein komplexes Vexierspiel von Vergangenheit und Gegenwart, von ästhetischem System, sozialen Anliegen und den zahlreichen Missverständnissen dazwischen. Dass es sich dabei um eine höchst kritische Analyse handelt, wird nicht zuletzt durch die krassen Überzeichnungen deutlich, die das Symbolhafte auf einer geradezu karikierenden Ebene zerstäuben.

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