Oskar Sertis Umgänge

Daumenkino in der TV-Beilage. Über „Oskar Sertis Umgänge“ von Patrick Corillon

AutorInnen
Robert Fleck

Patrick Corillon präsentiert im Raum, über den das museum in progress innerhalb der wöchentlichen TV-Beilage der Tageszeitung „Der Standard“ verfügt (siehe Lückenfüller 1992), einen „Zeichentrickfilm in fünfzig Folgen nach dem Tagebuch des ungarischen Schriftstellers Oskar Serti (Budapest 1881 – Amsterdam 1959)“. Eine Graphik und ein darunter stehender Text führen Oskar Serti vor Augen, wie er sich unterwegs durch Wien befindet; in jeder Episode aber läßt ein beunruhigender Gedanke – ist der Gashahn abgedreht, hat der Vater auch richtig verstanden? – Oskar Serti innehalten und fixiert seine Figur zwischen den zwei Punkten seiner Aufmerksamkeit, den, woher er kommt, und den, wohin er geht.

Dieses Innehalten resultiert aus dem Nebeneinander von Graphik und Text: Während die Grafik eine Bewegungsrichtung suggeriert – monatlich abwechselnd entweder sukzessive nach links oder nach rechts –, wird diese Suggestion vom Text der Sertis seelisches Innehalten beschreibt, gestoppt. Die jedesmal neu angedeutete Geschichte erhält erst eine anhaltende Bewegung, wenn alle fünfzig Folgen übereinandergeblendet werden. So ergeben sie ein imaginäres „Daumenkino“, in dem sich Oskar Sertis Figur tatsächlich bewegt: In einem Film, der ein Jahr lang in der TV-Beilage gespielt wird.

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