Arbeit macht froh

Arbeit macht froh

AutorInnen
Brigitte Huck

„Arbeit macht froh“ meinen Julius Deutschbauer und Gerhard Spring, die im Tandem mit „Kunst als Serviceleistung“ den Werktätigen, aber auch den Müßiggängern an den Leib rücken. Anno 2001 begannen sie mit der Einführung ihrer Marke, der „Doppelconférence“: Unter ihrer Regie hat sich das beliebte Genre – bekannt aus Funk und Fernsehen – im post-post-dadaistischen Kunstkontext festgesetzt. À deux absolvieren Deutschbauer/Spring ihre Nummern in den Fächern Performance, Ausstellung, Plakat, Buch und Video.

Alles begann mit ihrem Einsatz als Stuntmen für Bundeskanzler Schüssel und Kunststaatssekretär Morak, für die sie als Eröffnungsredner und Interviewpartner einsprangen. Wie überhaupt die schwarz-blaue Wende Anlass für eine vertiefte Betrachtung der österreichischen (Kultur-)Politik war. Mit quasi dokumentarischen Texten – dem Originalton aus Politiker-/Kuratoren-/Galeristenmund wird nichts hinzugefügt, wohl aber wird er voller Tücke neu eingerichtet – entlarven Deutschbauer/Spring ein Überangebot an Pathosformeln als das, was es ist: hohles Geschwätz. Und erweisen sich damit als besessene Realisten, die ihre Pointen mit spielerischer Leichtigkeit setzen, Stand-Up Comedians als gesellschaftskritische Moralisten, die die nationale Psyche demontieren.

Präzisionsarbeit am Text leisten Deutschbauer/Spring auch als kenntnisreiche Exegeten der Weltliteratur. Die Technik der Subtraktion – dreiminuseinsistzwei – haben sie etwa Anton Pawlowitsch Tschechow und James Joyce angedeihen lassen. Für die Theater- bzw. Videokaraokes „Zwei Schwestern" und „Twolysses“ ist die Partizipation des geneigten Publikums gefragt, und die Rezipientenseite spielt erfreut mit. Von Seiten der Künstler wiederum wird damit – praktischerweise – in einem Wurf ein angesagter Kunstbegriff abgearbeitet. Und ganz nebenbei bieten Deutschbauer/Spring, in Beantwortung der leninistischen Frage „Was ist zu tun?“, den „Lehrgang zum erfolgreichen politischen Künstler“ an, in zwölf Lektionen.

Am liebsten bezeichnen sich die dienstbaren Auftrags- und Hilfskünstler Deutschbauer/Spring als Plakatkünstler. Über hundert solcher Plakate gibt es bereits. „Plakate machen am meisten Spaß, Plakate sind Material für jeden“, sagen sie und verteilen die A1-Bögen großzügig unter ihrer unerschütterlichen Fangemeinde. Für „Arbeit macht froh“, das bislang umfänglichste Plakatprojekt, treten die Künstler im firmeneigenen Schlosseranzug auf und entwickeln 33 verschiedene Typen von Gesten und Körperhaltungen. Auf drei Ebenen – Bild, Text, Subtext – verläuft eine Realsatire, die von der Situationskomik des Slapsticks über den temporeichen Sprachwitz der Screwball Comedy hin zu einer geradezu Brecht'schen Politik-, Gesellschafts- und Sozialkritik reicht. Um der Botschaft willen ist jede Zuspitzung recht: Der scheinbar harmlose, jedoch brisante, vorsätzlich inkorrekte Titel bezeichnet punktgenau jene Amnesie, die im „Gedankenjahr 2005“ um sich zu greifen droht.

Dass Körper sprechen und Gesten unterschiedlich interpretiert werden können, ist bei Gilles Deleuze und Aby Warburg nachzulesen. In diesem Sinne führen Deutschbauer/Spring das Potential der Gesten für politisches Handeln vor. Jede der gezeigten „Aktionen“ ist mehrdeutig. „Der mehrdeutige Körper enthält auch eine mögliche Ebene der Subversion“, stellt Hemma Schmutz in einem Essay zum Thema fest. Auf dieser Ebene sind Deutschbauer/Spring Weltmeister und sie stecken ihr ureigenstes Territorium mit provokanten Bilduntertiteln vorsorglich ab: Begriffe aus dem Politjargon, Banalität, hässliche Untertöne, Widersprüchlichkeiten, Ambivalenz inklusive. „Unproduktive Freiheit statt produktiver Knechtschaft“ kalauern sie und klären uns über den Widersinn gesellschaftlicher Verhältnisse auf. Um dann noch schnell hinzuzufügen: „bezahlte Muße statt unbezahlter Arbeit“.

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