Schnitzel Company

Schnitzel Company

AutorInnen
Brigitte Huck

Autohäuser haben sie, Banken und Hotels, Spitäler, Supermärkte und Fast Food Ketten, sie haben: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Monats. Seit Homer in der dritten Staffel von „The Simpsons“ beglückt sein „employee of the month“ Zertifikat in Händen hält, überreicht vom Springfield AKW für die heldenhafte Verhinderung eines Super-Gaus, spätestens seit dann weiß man, was Unternehmenskultur ist.

Mit Blumenstrauß und einem dezenten Foto vor dem Eingang zur Kantine ist es nicht mehr getan. Auf Internetseiten werden den Verbrauchern eines kurzen Ruhms affirmative Statements zum Arbeitgeber und der ein oder andere „personality strip“ abverlangt. Familienstand, Hobbys, Budget, nichts bleibt privat. Wenn man Pech hat, kommt auch noch Managerprosa dazu. Das könnte dann wie „... Wissen und langjährige Berufserfahrung gepaart mit dem Vorwärtsdrang unserer jungen Generation steigert die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit unserer Firma“ klingen. Oder so ähnlich.

Der kanadische Künstler Ken Lum, Kind chinesischer Einwanderer, wurde 1956 geboren und lebt in Vancouver. Die Frage, wie Menschen miteinander umgehen, beschäftigt ihn in seiner Arbeit. Soziale Konditionen, die Dynamik ethnischer Gruppierungen und die existentiellen Bedingungen urbanen Zusammenlebens sind Thema einer Arbeit, die sich zunächst auf lokale Umstände einlässt, um daraus allgemeingültige, gesellschaftliche Analysen zu ziehen.

Für das Plakatprojekt „Arbeitswelten“ der AK nimmt sich Lum das Wohlfühlfeature der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Monats vor und gewinnt dem Format die Dimension einer Realsatire ab. Für eine fiktive „Schnitzel Company“ affichiert er den Jahrespool glücklicher Auserwählter, alle jung und happy in feschen gelben Blusen und roten Schirmmützen. Er hat auch einen durchaus Agentur-kompatiblen Slogan parat: „Great Schnitzel, Great Company“.

Das Tableau für Wien ist eine zwölfteilige Bilderserie von Menschen unterschiedlichster Herkunft, was vor allem an den fantasievoll konstruierten Namen zu erkennen ist, die klassisch-analogen Fotografien von gecasteten Modellen gegenüberstehen. Than Thuy Vu und Erika Chang wirken als Schnitzel-VerkäuferInnen authentisch, ein Mc-Job ist wie der andere. In fröhlicher Eintracht hält man sich an Unternehmens- und Marketingstrategien. Mit Sätzen wie: „die Kompetenz und das Engagement unserer Mitarbeiter sind wesentliche Bestandteile auf dem Weg zur Erfüllung unserer Mission“ wird moralisch aufgerüstet und mit: „was zählt, sind Sie“ aufgemuntert und belohnt. Die globalen Wirtschaftsstrukturen des Kapitals fordern persönlichen Einsatz und Mobilität, dafür darf in den Google-Informationsnetzen ein Internet-Handshake online gehen. Warhols „famous for 15 minutes“ gilt nicht mehr, und man muss sagen, leider, denn wer einmal im Datenstrom drin ist, kommt nicht mehr raus. Und so kann aus einem Erdenmonat die Hölle der Ewigkeit werden.

Fotos, die mit Text konfrontiert werden, spielen in der Arbeit von Ken Lum eine entscheidende Rolle. Durch das Vis à Vis von Wort und Bild setzt er ein System ein, das die Bildsprachen der kommerzieller Werbung und der Alltagsästhetik verbindet. „Die Tatsache, dass meine Arbeit im öffentlichen Raum stattfindet“, sagt Ken Lum, „bedeutet, dass mein Konzept auf die Belesenheit des Publikums in eben diesem Raum eingehen muss. Damit meine ich die Ansammlung von Zeichen und Symbolen, die den öffentlichen Raum und damit die Aufmerksamkeit des Publikums in Beschlag nehmen. Die Arbeit soll einen Widerspruch auflösen: nämlich, dass einerseits die Vertrautheit mit Strukturen, Codes und Botschaften von öffentlich postierten diskursiven Transportmitteln anerkannt wird, und andererseits, dass eben die kollektive Kultur auch anders artikuliert werden soll. Mit anderen Worten, meine Idee müsste als Kunst registriert werden, gerade wegen ihrer Ähnlichkeit zur ‚Nicht-Kunst’, der Werbung“.

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