Kunst und Globale Medien

Kunst und Globale Medien. Ausstellung im Medienraum

AutorInnen
Peter Weibel

Von den Printmedien zu den elektronischen Medien
Festival steirischer herbst Graz / museum in progress, Wien

Der steirische herbst versucht, durch ein Medienprojekt, das ausschließlich im Medienraum stattfindet, die Veränderungen und Konstruktionen der Wirklichkeit durch die Medien bewußt und sichtbar zu machen.

Es ist das Ziel der Medienausstellung, die traditionellen Institutionen und Orte von Ausstellungen (wie Museen, Galerien etc.) zu verlassen. Ebenso werden die traditionellen begrenzten zeitlichen Strukturen einer Ausstellung verlassen. In einer Art physikalischer Ortlosigkeit wird eine Ausstellung organisiert, die nur in den neuen Medien stattfindet. Das immaterielle museum in progress macht seit 1989 Ausstellungen ausschließlich in Medienräumen (Plakate, „Standard“, „profil“). In der vorliegenden Form der internationalen Vernetzung und der Durchschleifung von einem Medium ins andere findet eine solche Ausstellung im Medienraum vielleicht erstmals in der Kunstgeschichte statt. Eine Ausstellung über die sozialen, ökonomischen und politischen Folgewirkungen der neuen Medien findet logischerweise nur in diesen statt.

Der Ausstellung ohne festen Ort beziehungsweise der relativen Ubiquität entspricht eine Ausstellung ohne starre Zeit beziehungsweise der relativen Dauer. Die Ausstellung beginnt mit dem steirischen herbst 1998 und endet mit dem steirischen herbst 1999. In dieser Zeit findet sie punktuell weltweit in den Medien Plakat, Tageszeitungen, Wochenmagazine, Kunstzeitschriften, Radio, Fernsehen, Kabelkanäle und im Internet statt.

Ca. 40 KünstlerInnen weltweit, die zum Teil schon Erfahrungen mit diesen Medien aufweisen, werden aufgefordert, in den Medien und für die Medien Internet, TV, Radio, Zeitschriften, Plakat eigens Werke zu schaffen, die sich mit den genannten Themen beschäftigen.

Wie wird Öffentlichkeit im Radio konstruiert, wie Intimität im Fernsehen, welche Art von Politik lesen wir in den Zeitungen, welche Art von News sehen wir im Fernsehen? Die Arbeiten der KünstlerInnen werden nicht nur in einem Medium, wie z.B. TV, realisiert, sondern beziehen sich auch zum Teil thematisch auf das andere Medium, z.B. Radio. (Im Fernsehen sieht man, wie ein Radiospot konstruiert wird, im Radio hört man, wie ein TV-Spot hergestellt wird). Es geht nicht nur darum, die Repräsentation von Wirklichkeit in den Medien darzustellen, sondern vielmehr darum, die verschiedenen Konstruktionsmethoden von Wirklichkeit in den verschiedenen Medien zu erhellen. In einem Medium wird das andere Medium reflektiert.

(Wien, Mai 1998)

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