Urmeter in USA

Über „Urmeter in USA“ von Michael Schuster

AutorInnen
Robert Fleck

Bereits in den früheren Arbeiten von Michael Schuster war eine dreigliedrige Konstellation vorherrschend, die ihren Autor gegenüber dem ganzen Komplex der konzeptuellen Kunst nachhaltig vereinzelt. Da war zum einen das unmittelbare Erbe der österreichischen Konzeptkunst der späten sechziger und der frühen siebziger Jahre mit einer durchgehend analytischen Haltung, deren Wurzeln in der Wiederentdeckung Wittgensteins auch in seinem Geburtsland gesehen werden können, sowie in der Verbindung dieser Analytik mit einer aktionistischen Auffassung der konzeptuellen Kunst, die unmittelbar an den Radikalismus der Wiener Aktionskunst der Jahre 1962 bis 1970 anschloß, zugleich aber das Prinzip der Selbstdarstellung des Künstlers entschlossen verließ.

Generationsspezifisch mag man zweitens zum Werk Michael Schusters anführen, daß er gegenüber der Gründergeneration der konzeptuellen Kunst ein unvoreingenommenes und durchaus professionelles Umgehen mit dem vergleichsweise jungen Komplex der Medien von Anbeginn zur Grundlage seiner Arbeit machte. Was ihm im heutigen internationalen Kontext, im Verhältnis zur amerikanischen neokonzeptuellen Kunst und gegenüber ihren europäischen Parallelen, vorteilhafterweise isoliert, ist die Abwesenheit dieser eigenartigen Ernsthaftigkeit, die alle diese Kunstrichtungen, die in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre an die ursprüngliche Concept Art anschlossen, heute so markiert und als bereits der Vergangenheit angehörig datiert. An allen Arbeiten von Michael Schuster seit seinen Anfängen war es vor allem ein spezifischer Humor, um den sich seine Arbeiten organisierten, oder besser ein humoristisches Herangehen an bestimmte Sachverhalte, die mit der erst in den achtziger Jahren aufgetretenen Medienwelt zusammenhängen.

Michael Schusters „Amerika“-Arbeit hat diese Konstellation nun erstmals vollends offensichtlich gemacht. Das Zusammenspiel von Farbkeil, professioneller Reproduktion und wunschgerechter Wiedergabe eines bestimmten Ortes ist ja für Berufsfotografen ein tagtäglich erlebter Zusammenhang. Michael Schuster stellt ihn keineswegs in Frage – dies ist gerade das Verfahren des humoristischen Herangehens –, sondern er unterläuft ihn oder dreht ihn ganz einfach um. Den Farbkeil zugunsten einer professionellen Reproduktion, die in diesem Fall von den einzelnen staatlichen Tourismusbüros der fünfzig amerikanischen Bundesstaaten ausgewählt wurde, mitten im Bild aufzustellen, ist an sich eine simple Idee, obwohl sie zuinnerst damit zu tun hat, was die wirklichen Konstitutionsbedingungen von Realität heute bedeuten.

Noch interessanter aber ist an der Arbeit von Michael Schuster der Expeditionsaspekt, der damit von vornherein verbunden war. Wie von einer Goldgräberexpedition kehrten dann auch der Künstler und ein aus Bergsteigererfahrung geschulter Helfer, der das monatelange Leben im Wohnbus und das präzise Geradehalten des Farbkeils mit seiner physischen Konstitution alleine sicherstellen konnte, von ihrer Durchquerung der amerikanischen Bundesstaaten zurück. Das bildnerische Ergebnis hält dem stand. Gute Kunst gibt es nur mit einem gewissen Wahnsinn, und diesen gewissen Wahnsinn hat dieses Projekt. Wo ein Künstler an seine Existenz rührt, wird er für die heutige Öffentlichkeit interessant. Michael Schusters Arbeit hat eine solche Dimension.

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