ABMachine / Ne travaillez jamais

Über „ABMachine“ und „Ne travaillez jamais“ von Andreas Siekmann

AutorInnen
Brigitte Huck

Andreas Siekmann, Teilnehmer der documenta 11, geht es um die höchst sensible Frage der sozialen Expansion von Kunst im öffentlichen Raum. „Aus: Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ ist eine Zeichnungsserie, die ab 1996 als work in progress entstanden und in verschiedensten Ausstellungsformaten gezeigt worden ist. Gleichzeitig mit Wien wird Siekmann auf der d11 einen neuen Arbeitsabschnitt präsentieren, der die bisherige Argumentation durchkreuzt bzw. sich mit ihr verknüpft. Für das Plakatprojekt der AK hat Siekmann die Abschnitte „ABMachine“ und „Ne travaillez jamais“ ausgewählt: Der Künstler beschreibt in seinen Bildern, wie sich der ökonomische Paradigmenwechsel von der sozialen Marktwirtschaft hin zum Neoliberalismus auf die Gesellschaft auswirkt. „ABMachine“ zeigt einige Maßnahmen, „Arbeitslosigkeit zu bekämpfen“: Disziplinierungsprogramme, das Training von Dienstleistung im Eventmarketing oder in der Cityimagepflege. „Bekanntlich“, bemerkt Siekmann, „schafft technischer Fortschritt nicht Arbeitsfreiheit, sondern Arbeitslosigkeit.“ Die Parole „Ne travaillez jamais“ stand 1959 auf einer Mauer der Rue de Seine in Paris. Der Schriftzug wurde von der Situationistischen Internationale als „Vorprogramm der Bewegung“ und Zeugnis ihrer Lebensweise

Auf Siekmanns Filzstift-, Aquarell- und Lackmalstiftzeichnungen wird der öffentliche Stadtraum zur Bühne des sozialen Umbaus. Die Veränderung des Arbeitsbegriffs, der Wandel der Unternehmenskultur und das erschütterte Demokratieverständnis führen zur grundsätzlichen Frage nach der Herkunft von Bildern, ihrer Intention und Rezeption. Die einzelnen Teilserien der Arbeit funktionieren als lineare Bildketten, man kann sie „lesen“ und ihren Argumenten folgen. Die „Lesbarkeit“ der Zeichnung wird von ihrem comicartigen Stil, ihrer ornamentalen Fülle und der Beschränkung auf drei Farben unterstützt.

Andreas Siekmanns Storyboards auf den Billboards der Kammer für Arbeiter und Angestellte sind eine geradezu Fortsetzung der vor einem Jahr begonnenen, erfolgreichen Zusammenarbeit. Das neue Profil der Kunstförderung der AK Wien findet durch das markante Medium Plakat nicht nur eine adäquate Visualisierung, sondern auch eine Reflexionsfläche für die Transformationen in der heutigen Arbeitswelt, die österreichische und internationale KünstlerInnen immer wieder neu und überraschend kommentieren.

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