ABMachine / Ne travaillez jamais

Aus: Gesellschaft mit beschränkter Haftung

AutorInnen
Andreas Siekmann

„Aus: Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ ist eine Zeichnungsserie, die von 1996 bis 1999 entstand. Sie wurde August 1999 im Portikus, Frankfurt am Main, ausgestellt. In ihr ging es darum, wie sich die in den 90er Jahren umstrukturierten und konkurrenzlosen wirtschaftlichen Machtverhältnisse auf den öffentlichen Raum auswirken.

Die Arbeit an den Zeichnungen entstand teilweise auch aus einer gewissen Distanznahme zu einer Praxis von Kunst im öffentlichen Raum, deren Verständnis von Intervention angesichts der verstärkten Einschränkungen von Aufenthaltsrechten und Bewegungsfreiheit im Stadtraum eine falsche Freiheit zu proklamieren schienen. Oft auch schienen gerade Kunst im öffentlichen Raum-Projekte einen Reformwillen nachzuvollziehen, der im Prozess der allgemeinen Gentrifizierung die Seite der Auftraggeber nicht wechseln konnte.

So erschien es notwendig, sich von dieser Praxis erst einmal zurückzuziehen und am Zeichentisch zu rekapitulieren, was unter welchen Bedingtheiten als öffentlicher Raum bezeichnet werden kann. Unter öffentlichem Raum sind dabei nicht nur die Straßen und Plätze einer Stadt zu verstehen, sondern vor allem die Produktion und damit auch die Kontrolle von Bildern und ihrer Bedeutungsmuster, in denen sich eine gesamtgesellschaftliche Tendenz spiegelt, die im letzten Jahrzehnt oft mit dem Begriff „Neoliberalismus“ bezeichnet wurde.

„Neoliberalismus“ als Ideologie ist äquivalent zu den Standortdiktaten (Senkung der Unternehmens-, Vermögens- und Gewerbesteuern, Tarifdiktate, Massenentlassungen etc.) der Multis in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen nachvollzogen worden. Rationalisierungskuratorien sind ein absolutes „must“ für jede Sektion der öffentlichen Belange. Die Stadt – samt ihrer kulturellen und sozialen Teilbereiche – bezeichnet sich als „Unternehmen“ und gefällt sich im Effizienz-Posing. Dabei wird – sei es auf Metropolen- oder Landesebene – der sogenannte „freie“ Wettbewerb (der Stein der Weisen der Marktwirtschaft) nur mehr simuliert. Fast monatlich sprechen die Kartell-Lobbys der OECD und der G7+1 ihre „Terms of Trade“ ab, die den einzelnen Staaten unter dem Gebot der Anschlussfähigkeit an EU oder NATO ihre Wirtschaftspolitik aufoktroyieren. Dies alles wird mit dem Euphemismus der Modernisierung kaschiert. „Diese rationalisierte Mythologie ließe sich ... als wohldurchdachtes Delirium beschreiben. Sie gilt es zu widerlegen, sei es durch Nachdenken oder durch Tatsachen.“ (Pierre Bourdieu, „Der Tote packt den Lebenden“, Stuttgart 1997) ...oder durch zeichnen.

„Aus: Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ ist in verschiedene Argumentationslinien gegliedert, die den Themen Arbeitslosigkeit, Stadtpolitik, Unternehmensmanagement und deren medialer Präsenz im Stadtraum gewidmet sind. In den Zeichnungen werden deren Auswirkungen, deren Reaktionen und Gegenreaktionen um städtepolitische Entscheidungen und Planungswünsche aufgeführt, um schließlich unter Einschluss einer „Wenn- Dann- Schleife“ das Gegenteil zu erproben.

Bekanntlich schafft technischer Fortschritt nicht Arbeitsfreiheit sondern Arbeitslosigkeit. Der Abschnitt „ABMachine“ zeigt einige Maßnahmen „Arbeitslosigkeit zu bekämpfen“: Disziplinierungsprogramme, das Training von Dienstleistungen im Eventmarketing oder in der Cityimage-Pflege. Auch wenn die „100.000-Jobs-Initiativen“ etc. sich auf dem Arbeitsmarkt als Fake erweisen, dienen sie zur Aufrechterhaltung der Ideologie von Beschäftigung und ihren zahlreichen Befehls- und Gehorsamsstrukturen als gesellschaftlicher Ordnungsfaktor.

„NE TRAVAILLEZ JAMAIS“ stand 1959 auf einer Mauer in Paris und wurde dem Umfeld der „Situationistischen Internationale“ zugeordnet.

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