Women's Work is Never Done

Women's Work is Never Done

AutorInnen
Brigitte Huck

Als Agentur für selbstbewusste Kunst von Frauen sind „Die Damen“ geschichtsmächtig geworden. 1987, angesichts internationaler Aktivistinnen wie der New Yorker „Guerrilla Girls“, gründeten Ona B., Evelyne Egerer, Birgit Jürgenssen (1949–2003) und Ingeborg Strobl die prozessorientierte Performancetruppe, deren Auftritte und Aktionen im Zeichen eines federleichten, spöttischen Feminismus standen. „Die Damen“ inszenierten Performances und parodistische Events und haben das Genre des Tableau Vivant, des lebenden Bildes, ins Medienzeitalter übersetzt. Ihre Live-Interpretationen vom Rollenspiel der Geschlechter, ihre Kommentare zum Status der Frau im Kunstbetrieb und in der Gesellschaft waren pointiert und kritisch, aber auch humorvoll und voll Selbstironie.

„Die Damen haben nie gearbeitet“ erinnert sich Ingeborg Strobl, und dennoch sind die Terrains weiblicher Tätigkeiten ein immer wiederkehrendes Motiv. „Es war die Zeit, als die Frauen, die in der Wirtschaft arbeiteten, begonnen hatten, nicht nur wie Männer zu agieren, sondern sich auch so zu kleiden: Businesskostüme, Hosenanzüge etc.“ Den neuen „Executive Style“ zelebrierten „Die Damen“ 1989 im zum Postamt transformierten Hauptraum der Wiener Secession. In weißen Hemden, mit Krawatten und bebrillt, stempelten sie, an Schreibtischen sitzend, eine Postkartenedition mit eigens entworfenem Stempel ab und verkauften die Sonderpostmarke 4D (vier Damen). Hintergründig nannten sie den Abend „Postmodern“. Das konnte, schlicht und analog, als kabarettistischer Slapstick über die Segnungen des Postbetriebs interpretiert werden, auf einer deutlich ausgespielten Meta-Ebene jedoch bedeutete die Inszenierung das Entwerten des damals viel beschworenen Phänomens der Postmoderne als kanonisiertes Denkschema.

Die Verknüpfung von Kunst und Wirtschaft war den „Damen“, augenzwinkernd aber doch, ein Anliegen. Es waren selige Zeiten, als die Hände, die fütterten, noch einen kleinen Biss vertrugen. Der legendäre Kalender für die Austria Tabak kam ganz ohne Zigaretten aus. Nur indirekt rückten „Die Damen“ das Produkt ihres Auftraggebers ins Bild, etwa, wenn Mae West im Fernsehen raucht, wie auf dem Dezemberblatt. Die wunderbar krasse Überzeichnung des Hausfrauendaseins zwischen Bügelbrett und Bodenschrubben hat mittlerweile den Staus einer Ikone. Jedes Detail, vom Lockenwickler zum Glitzerpantöffelchen, vom rosa Gummihandschuh zum herzförmigen Wasserkübel, vom Arbeitskittel zum verrutschten Unterkleid, alles ist penibel überlegt und bestätigt das Quartett in der Königsdisziplin der inszenierten Fotografie: „Die Damen“ vor, Leibknipser Wolfgang Woessner hinter der Kamera.

Ein Kompliment spenden „Die Damen“ noch heute ihrem Publikum, das den Einladungen ins Restaurant am Westbahnhof, in die VIP Lounge am Airport oder zur House Warming Party in die „Blaue Lagune“ folgte und dort durch angemessene Beteiligung an den Partys in vier Musterhäusern der Veranstaltung zu einigem Erfolg verhalf.

Wenn KünstlerInnen reisen, bringen sie Bilder mit nach Hause. Wenn „Die Damen“ reisten, etwa 1990 zur Biennale nach Ankara, dann waren sie als fein abgestimmtes Gruppenbild unterwegs, als minutiös geplanter Regiebetrieb für interdisziplinäre, interkulturelle „theatricality“ in Zeit und Raum. Von Reisen, Aktionen und Tableaux Vivants blieben schrille Bilder, Reportagen aus jenen Umkleidekabinen, wo Kunst und Realität ihre Kleider wechseln. Wer will da noch von Wahrheit reden.

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