Spaced Out?

Spaced Out?

AutorInnen
Brigitte Huck

Der dänische Künstler Jakob Kolding ist in Albertslund, einer Trabantensiedlung an der Peripherie von Kopenhagen, aufgewachsen. Die Erinnerungen an seine Kindheit in einer rigoros geplanten Suburbia sind positiver, als man denken möchte, denn „dort waren viele Spielplätze und Fußballwiesen“. Später, als Erwachsener, sieht er den monotonen Funktionalismus der „La Villettes“ dieser Welt kritisch und macht ihn zum Thema seiner künstlerischen Arbeit. Sie dreht sich um das urbane, um das suburbane Leben und seine Gestaltung, um die Diskrepanzen zwischen a priori humanistischen und philantropischen Ideen und ihrem Verlust, wenn sie als modernistische Idealstädte Form annehmen. Kolding beobachtet die Auswirkungen, die Wohnsilos und tagsüber entleerte Schlafghettos auf das Leben insbesondere der dort ansässigen Jugendlichen haben. Und stellt fest, wie kreativ und einfallsreich die Hip Hop Generation mit Musik und Sport architektonischen Autoritäten begegnet, wie die Vereinigung der Skater aller Länder Freiräume erobert und mit liebevoller Partikularanarchie den Beton zum Schmelzen bringt.

Koldings soziale Topografien des öffentlichen Raums spielen sich auf großformatigen Collagen ab, die Text und Bild aus so unterschiedlichen Bereichen wie Architektur, Kunst, Politik, Musik, Comic und Sport zusammenführen. Formal an den Agitprop der russischen Konstruktivisten, die Montagetechnik der Dadaisten und Sex Pistol Plattencovers erinnernd, sampelt Kolding, ein Meister dynamischer Anordnungen, die Phänomene der Freizeitkultur, soziale Machtverhältnisse und den Clash der Lebensformen zu einer Psychogeografie von Orten, die am Computer durcheinander gewirbelt und neu geordnet werden. Flankiert von den Zonen der Politik, der Werbung und Ökonomie durchkreuzen Koldings Collagen die strengen Raster von Planung und Kontrolle: der Künstler am Mischpult urbaner Repräsentation.

Ein Grundprinzip von „Spaced Out?“ ist die additive Reihung. Von einer Plakatwand zur nächsten füllt Kolding einen hypermodernen Stadtteil auf, bzw. entleert ihn spiegelbildlich. Luxusappartments werden geplant, CAD Programme simulieren Design und städtebauliche Lage des neuen Wohnturms. Wenn auch mit dem Bau noch nicht begonnen wurde, überwachen Kameras die teure Lage, ist Ball spielen verboten und das Sprayen von Graffiti sowieso. Security Guards bewachen Executives am Handy und die Vuitton Tasche einer eleganten Lady. Die zahlreichen affichierten Verbote verweisen auf die latente Angst vor der Aneignung des öffentlichen Raums durch Jugendliche und ähnliche „Subkulturen“. Ausgrenzungs- und Verdrängungsmechanismen sind die Bedingungen für eine erfolgreiche Gentrifizierung des städtischen Raums, der für Kolding auch immer ein sozialer Raum ist. „Spaced Out?“ stellt die Frage, wem sie wohl gehöre, die Stadt, und die Antwort ist deutlich.

Serielle Verfahren, Anordnungen, die sich zu einer Einheit ergänzen, sind für Kunstrichtungen wie Pop-, Minimal- und Conceptual Art charakteristisch. Kolding, ein versierter Kenner elektronischer Musik, interessiert sich für die Analogien zwischen den klassischen Verfahren der Kunst und den regelmäßigen, kaum variierten akustischen Einheiten der aktuellen Soundlandschaften. Sein Vorgehen ist ähnlich methodisch, planmäßig, systematisch. Das absolut Moderne und Zeithältige seiner Strategie jedoch ist der Umstand, dass Kolding die Situationen so lange bitter ernst nimmt, bis ihre Struktur blank liegt. Was dann folgt, ist die Aufforderung zum Remix.

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