There is no place like home

Kunst als Gegenerzählung im öffentlichen Raum

AutorInnen
Ken Lum

Die Tatsache, dass meine Arbeit im öffentlichen Raum stattfindet, bedeutet, dass mein Konzept auf die Belesenheit des Publikums in eben diesem Raum eingehen musste. Damit meine ich die Ansammlung von Zeichen und Symbolen, die den öffentlichen Raum und damit die Aufmerksamkeit des Publikums in Beschlag nehmen. Die Leute sind sehr belesen in Bezug auf Werbeformen wie Plakatwänden und Poster, auch wenn sie unterschiedlich auf die verschiedenen Werbungen reagieren. Der Punkt für mich war, dass das Projekt genau dieses Wissen der Menschen anerkennen musste, wo es um den öffentlichen Raum geht, der stark durch private und kommerzielle Interessen definiert ist. Insofern bietet die Plakatwand dieser Arbeit die entsprechende Möglichkeit sich direkt mitzuteilen und größere Verbreitung zu finden.

Eine zweite Überlegung bezieht sich auf das Problem, wie man eine künstlerische Aussage einfügt in die Kakophonie, die die Erfahrung des zeitgenössischen Stadtraumes ausfüllt. Wenn sich wirklich, wie Foucault behauptet, Herrschaft in alle Systeme der Produktion und Kommunikation drängt ebenso wie in die Sprache, dann war mir klar, dass mein Projekt letztlich versuchen müsste, den öffentlichen Raum so aufzumachen, dass diese Herrschaft plötzlich mit einem schiefen Blick gesehen werden konnte.

Damit meine ich, dass die Arbeit einen Widerspruch auflösen sollte, nämlich dass einerseits die Vertrautheit mit den Strukturen, Codes und Botschaften von öffentlich postierten diskursiven Transportmitteln anerkannt wird, und andererseits, dass eben die kollektive Kultur auch anders artikuliert werden soll. Mit anderen Worten, meine Idee müsste als Kunst registriert werden, gerade wegen ihrer Ähnlichkeit zur „Nicht-Kunst“ der Werbung.

Eine dritte Überlegung hat mit dem Phänomen der Globalisierung zu tun, das den Künstlern neue Strategien abverlangt, wie in den sich ständig ändernden Feldern von Rasse, Geschlecht und Klassendynamik mit der Bedeutung von „home“ („zu Hause / heim / Heim / Heimat“), Identität und Zugehörigkeit umgegangen wird. Dieses Problem beschränkt sich nicht auf Österreich trotz des Beispiels der Freiheitlichen Partei. Ich wollte nicht, dass meine Arbeit auf deutsch übersetzt wird. „Home“ ist ein englisches Wort, das eine Reihe von Bedeutungen haben kann; es ist eine Chiffre für mögliche andere Bedeutungen, anders wie „Heimat“ oder „la maison“. Tatsächlich eröffnet die Vielwertigkeit des Wortes „home“ eine teilweise amerikanische Mobilität von Bedeutung. Der Begriff „home“ ist dahin gekommen, die Idee einer frei-fließenden und unsicheren Sehnsucht nach einem Platz und einem Wohnsitz zu bezeichnen. Wenn der Boden für Identität die stilisierte Wiederholung von Handlungen innerhalb der Zeit ist, dann ist „home“ der Ort für solche wiederholbaren Akte. Die Inszenierung einer Ansammlung von Bedeutungen wieder und wieder am selben Ort produziert einen Sinn von „home“. In unserem kybernetischen Zeitalter können solche Wiederholungen als exklusive geistige Übungen erscheinen. Mit anderen Worten: „home“ kann einfach ein Geisteszustand sein.

Debug [+/-]
Queries:
Array
(
    [redirect] => /attachments/130
    [Config] => Array
        (
            [language] => de
        )

)