Globale Positionen 11

Über Adrian Jones' Beitrag zu „Global Positions“

Gargoyles (groteske Wasserspeier, wie man sie oft an gotischen Kathedralen findet) und Museen sind ein zentrales Thema des Künstlers Adrian Jones, der die angeblichen Gegensätze zwischen dem Ungezähmten und dem Domestizierten ablehnt. Als er kürzlich für ein öffentliches Kunstprojekt in einem Sportzentrum geschuppte Gargoyles aus Metall anfertigte, verzerrte er ihre Bedeutung als architektonische Dekorationen/Talismane (die im alten Europa Dämonen weghexten), indem er sie wie zum Angriff auf die Besucher des Gebäudes installierte und so eine Vertrautheit mit den Dämonen schuf. Museologisch im Innenraum positioniert, nehmen diese Gargoyles so die einzigartige Perversität des modernen Fetisch an. In einer ähnlichen Installation, die einfühlsam über ein bestehendes autobiographisches Museum gelegt wurde, fetischisierte Jones die fetischisierenden Aktivitäten des Museums: Er katalogisierte die „Ausstrahlungen“ von Stücken aus der Sammlung und verband diese aufgeladenen Ephemera mit seinen fanatischen Reproduktionen der Metope des Gebäudes. Aus einem weiteren Projekt entstand ein Garten/Mausoleum, das die domestizierende Logik von Ausstellungen und ihren architektonischen Hülsen aufzeigte.

Die konzeptuellen Strukturen dieser Projekte sind als Grundpläne erstaunlich prägnant. Es überrascht daher kaum, dass Jones sich schon lange für ein Archiv wunderschöner architektonischer Pläne von unmöglichen Gebäuden begeistert, die ein ziemlich sinistrer französischer Beamter namens Jean-Jacques Lequeu (geb. 1775) entwarf. Besonders gefesselt ist Jones von der Vermutung eines Lequeu-Biographen, die graue Eminenz der Hochmoderne, Marcel Duchamp, könnte möglicherweise ein paar Ideen von Lequeu geklaut haben. Das Duchamp'sche Readymade sei also mit Argwohn zu betrachten. Zumindest findet Jones an dieser Vorstellung schalkhaften Gefallen; wenn der Biograph recht hat, dann domestizierte – entkrallte, denaturierte, fetischisierte – Duchamp lediglich seine eigenen Diebstähle.

Grenzüberschreitungen, die durch dramatische philosophische Verschiebungen verführerisch gemacht wurden, prägen die Erinnerung in der Kultur des 20. Jahrhunderts. Was letztlich zur Geschichte wird, ist in hohem Maß von einer trickreichen Politik bestimmt, die Wildheit, Ungezähmtheit, Andersartigkeit jenen Völkern zuschreibt, die eine Kultur fanatischer Gewinnsucht nicht verstehen. Jones, der derzeit in Westaustralien lebt, bewohnt eine Geographie, die seine grotesken Gargoyles (Kreaturen, die das, was wild und zu nahe scheint, abhalten sollen) oder Fetische (das laszive Besitzen des vermeintlich Wilden) dringend notwendig hat. Die allgemeine Diskussion über „das Timor-Problem“ ist von Sorgen über die Nähe des Ungezähmten durchdrungen. Durch die Entwicklung eines Grenzen überschreitenden Entwurfs für ein neues Museum für Timor Timor – Grenzen überschreitend im Hinblick auf Architektur und Museologie – lenkt Jones die Aufmerksamkeit auf die Tricks, die durch diese institutionellen Praktiken in der Politik der Erinnerung betrieben werden. (Indem er sozusagen seine eigenen Tricks anbietet.) Wenn Gargoyles durch eine simple Verschiebung innerhalb des architektonischen Raumes zu Fetischen werden, dann sähe er es lieber, wenn sie – an die timoresischen Gegebenheiten angepasst – selbst zum Raum werden.

Jones lud mich ein, nicht nur sein Werk auf diesen Seiten, sondern das vorgeschlagene Museum zu kuratieren. Die Arbeit schritt gut voran, nachdem ich mich daran erinnerte, dass ein Revolutionär aus Osttimor einmal sagte, Timor wäre ein Krokodil.

(November 1999, Manila, Philippinen)

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